Es sollte der perfekte Mord werden: Mit einer selbst gebauten Strom-Vorrichtung versuchte Thilo F. (42), seine schlafende Ehefrau zu töten. Sein Motiv: Angst vor einer angeblich drohenden Scheidung. Vor Gericht schildert der IT-Spezialist unter Tränen die unfassbare Tat in einer Winterhuder Wohnung.
Die Szene hätte sich kein Drehbuchautor ausdenken können: Nackt, nur mit halterlosen Damenstrümpfen bekleidet, steht Thilo F. am 28. Februar 2012 am Bett seiner Frau. An den Händen trägt er Gummihandschuhe, darüber ein paar nasse Wollhandschuhe, auf dem Rücken einen Rucksack, aus dem Kabel führen.
Er hält Elektroden in beiden Händen, ergreift die Hände seiner Frau. Durch seine nassen Handschuhe wird ihre Haut sofort leitfähig, 230 Volt jagen durch ihren Körper, ihre Muskeln verkrampfen sich.
„Du willst mich doch eh verlassen und mir die Kinder wegnehmen“, stößt er hervor. „Ich werde dich nicht verlassen“, bringt sie in Todesangst hervor. Mehrmals wird ihr schwarz vor Augen, sie glaubt, ihr Mann habe auch die beiden Söhne schon getötet.
Endlich lässt Thilo F. von seinem Opfer ab. „Sie hat mir leidgetan“, wird er im Gericht sagen. „Strafbefreiender Rücktritt vom versuchten Mord“, sagen Juristen dazu. Die Anklage lautet deshalb nur auf gefährliche Körperverletzung.
Im Prozess schildert der groß gewachsene, früh ergraute Computer-Experte, wie seine Ehefrau die Karriereleiter immer höher kletterte, während er nur Teilzeit arbeitete und sich als Hausmann um die beiden Söhne (6 und 8) kümmerte.
Er weint fast die gesamte Aussage über, lässt seinen Frust raus: „Meine Frau war mir rhetorisch überlegen, hat sich immer durchgesetzt. Und immer meckerte sie an mir herum. Wie meine Mutter früher.“
Sex habe seit zwei Jahren nicht mehr stattgefunden: „Sie entzog sich meinen Umarmungen, sie reagierte mit Trotz und Egoismus.“ Dass seine Frau die Scheidung plane, will Thilo F. von einem Freund erfahren haben. „Die einzige Möglichkeit, meine Kinder nicht zu verlieren, war, meine Frau zu töten“ , sagt er weinend.
Thilo F., Elektrobastler von Jugend an, baut im Keller ein Gerät, das den Strom aus einer 12-Volt-Autobatterie auf 230 Volt hochtransformiert. „Warum wollten Sie Ihre Frau ausgerechnet mit Strom töten?“, will der Richter wissen. Leise Antwort: „Ich dachte, das merkt keiner.“ Die Nylonstrümpfe habe er getragen, um „sexuelle Aggressivität auszustrahlen“.
Die Ehefrau hat inzwischen die Scheidung eingereicht. Vor der Strom-Attacke, sagt sie, habe sie nicht an eine Trennung gedacht.
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