Er gehörte zu den vielen Verletzten bei den schweren Krawallen rund um den „Schweinske-Cup“ in der Alsterdorfer Sporthalle. Sitzen kann Maarten Thiele nur unter Schmerzen. Denn: Am Freitagabend biss ihm ein Polizei-Hund in den Oberschenkel!
Der 27-Jährige hatte sich mit anderen St.-Pauli-Fans aus der Sporthalle gerettet. Plötzlich habe der Hund ihn von hinten attackiert. „Als ich das Tier abschütteln wollte, hat mir ein Polizist Pfefferspray in die Augen gesprüht und mich mit Kabelbinder gefesselt“, sagt der Student aus Ottensen. Erst 20 Minuten später habe der Beamte ihn losgelassen, so dass er sich im Krankenhaus behandeln lassen konnte.
Die Polizei- und Sicherheitskräfte vor Ort waren überfordert mit der Masse der gewaltbereiten „Fans“. Erschwerend hinzu kam die besondere Hallensituation. In der Alsterdorfer Sporthalle ist es aufgrund der Bauweise schwer, Fangruppen voneinander zu trennen. Auch der Außenbereich ist wegen der baulichen Gestaltung unübersichtlich.
Bei den Tumulten wurden rund 80 Menschen verletzt. Rund 40 Personen hatten Augenreizungen, weil die Polizisten Pfefferspray in der Halle und außerhalb versprüht hatten. 21 Zuschauer wurden schwerer verletzt, acht mussten im Krankenhaus behandelt werden. Auch auf Seiten der Polizei kam es zu Verletzungen. Elf Beamte klagten über kleinere Blessuren, drei mussten ins Krankenhaus.
Konsequenzen wird es kaum geben. Lediglich zwei Randalierer hat die Polizei festgenommen (wegen Landfriedensbruch und Widerstand gegen Polizeibeamte). Allerdings wurden 74 Personen in Gewahrsam genommen – eine Maßnahme der Polizei zur Gefahrenabwehr und zur Eindämmung der Gewalt. Aufgrund der hohen Anzahl mussten die Randalierer auf mehrere Polizeistationen verteilt werden. Sie wurden schnell wieder freigelassen.
Die Veranstalter wussten nach eigenen Angaben bis zum Beginn des Turniers nicht, welcher Art die aus Lübeck anreisenden Fans waren, von denen sich laut Organisatoren erst (zu) spät zahlreiche als „Hooligans der Kategorie C“ (gewaltsuchende Fans) entpuppten. Die Kontaktaufnahme zum Lübecker Fanbeauftragten im Vorfeld war mehrfach gescheitert. Sicherheitshalber wurde die Fan-Gruppe per Shuttle-Bus vom Hauptbahnhof zur Halle gebracht, um ein Aufeinandertreffen mit St. Pauli-Fans in S- und U-Bahn zu verhindern. Fatalerweise wurden die Krawallbrüder in die Halle eingelassen. Der Ausschluss von bekannten Gewalt-Fans sei Veranstaltersache, sagt die Polizei.
Ursprünglich hatte der HSV am „Schweinske-Cup“ teilnehmen sollen. Zum Zeitpunkt des Rückzuges des Bundesligisten (aus Sicherheitsgründen) waren bereits viele Karten für den HSV-Fan-Block verkauft. Die meisten wurden zurückgegeben, 40 aber nicht. Diese Fans mischten sich unter die Lübecker Fans. Eine Allianz aufgrund des gemeinsamen Feindbildes: St. Pauli.
An der Alsterdorfer Sporthalle sind mehrere Scheiben eingetreten worden. Zudem haben die Prügel-Fans auch in der Umgebung randaliert. Autos wurden beschädigt. Die Schadenshöhe könne noch nicht beziffert werden, sagte Veranstalter Wolfgang Engelmann.
Hooligans und gewaltbereite Fans randalieren zunehmend außerhalb großer Stadien, wo es viel Polizeipräsenz und Videoüberwachung gibt, und wo viele der Krawall-Fans Stadionverbot haben. Die Gewalt hat sich in den letzten Jahren sukzessive in die unteren Ligen verlagert, wo die Gefahr, erwischt zu werden, geringer ist. Deshalb ist ein kleines Hallenturnier – traurig, aber wahr – ein „lohnendes Ziel“.
Krawalle dieser Größenordnung bei Hallenturnieren sind selten. Der bislang gravierendste Vorfall ereignete sich 2006 in Köln. 40 Anhänger von Eintracht Frankfurt waren ohne Eintrittskarte in die Arena und den Block von Aachener Fans gestürmt. Diese wiederum griffen kurz darauf die Kölner Anhänger an. 150 Randalierer wurden in Gewahrsam genommen.
Barmbek oder Blankenese, Eimsbüttel oder Eppendorf: Machen Sie den Test, welcher Hamburger Stadtteil am besten zu Ihnen passt!
So wird der Kiez-Abend ein Erfolg: MOPO.DE zeigt Ihnen zehn lustige Party-Anwendungen für das Smartphone.