Derby gegen St. Pauli

Fans sorgen in Rostock fast für Spiel-Abbruch

Von Buttje Rosenfeld
Im Gästeblock haben St. Pauli-Fans ein bengalisches Feuer gezündet (rot). Daraufhin fliegt ein Feuerwerkskörper (grün) in den Block. Das Spiel wird unterbrochen.
Im Gästeblock haben St. Pauli-Fans ein bengalisches Feuer gezündet (rot). Daraufhin fliegt ein Feuerwerkskörper (grün) in den Block. Das Spiel wird unterbrochen.
Foto: Bongarts/Getty Images

Polizei und die Verantwortlichen beider Klubs hatten alles versucht, um ein friedliches Fußballspiel zu ermöglichen. Es hat leider nichts genutzt. Die unsägliche Geschichte des Nordderbys zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (1:3) fand einen neuen traurigen Höhepunkt. Die Partie in der DKB-Arena stand kurz vorm Abbruch, musste nach 40 Minuten für zehn Minuten unterbrochen werden.

Der Irrsinn hatte bereits in der Nacht zuvor angefangen. Da wurde das Rostocker Polizeihauptrevier von Vermummten angegriffen. Die warfen Steine, zündeten Pyrotechnik. Beamte wurden nicht verletzt, der Sachschaden (mehrere Fensterscheiben gingen zu Bruch) wurde auf 5000 Euro beziffert.

Zwei Stunden vorm Spiel ging die Gruselgeschichte weiter. 50 bis 70 Mitglieder der St. Pauli-Ultras stürmten den Hamburger Block, drängten die Ordnungskräfte zur Seite. Auch Rostocker sollen sich auf diese Weise Einlass verschafft haben.

Zunächst waren es nur kleinere Scharmützel. Beim Warmmachen wurde St. Paulis Keeper Philipp Tschauner mit hunderten Bananen beworfen, jede Menge St. Pauli-Schals wurden von Hansa-Fans verbrannt.

Die Partie musste mit zwei Minuten Verspätung angepfiffen werden, weil massenhaft weitere Bananen flogen. So ging es auch während des Spiels weiter. Dazu gesellten sich nach Augenzeugenberichten weiteres Obst, Feuerzeuge, Handys, Bolzen und Schrauben, sogar eine Kornflasche war dabei.

Nach dem Tor ersten Hamburger Tor von Max Kruse eskalierte die Situation. St. Pauli-Fans entfachten (ein einziges) bengalisches Feuer, dann starteten ihre „Feinde“ einen beängstigen Raketen- und Böllerhagel. Schiedsrichter Guido Winkmann reagierte prompt und richtig, ließ für zehn Minuten unterbrechen, drohte mit Komplett-Abbruch.

Die Spieler wärmten sich kurz auf, wechselten die nassen Klamotten und dann ging’s wieder raus. Bis zum Schluss flogen weiterhin Gegenstände auf den Rasen, bis zum Schluss stand das Spiel auf der Kippe. St. Paulis Sportchef Helmut Schulte: „Dass unsere Fans Pyros gezündet haben, ist nicht in Ordnung. Aber das sollte man unterscheiden von dem, was die Rostocker gemacht haben. Die Raketen  waren sicherlich schlimmer. Das ist schon alles sehr traurig.“

Hansa Rostock hat sich derweil umgehend von den Zwischenfällen distanziert und um gesamtgesellschaftliche Unterstützung gebeten. „Wir bitten die Verbände, die Politik und die Judikative, uns Vereine mit diesem gesamtgesellschaftlichen Problem nicht allein zu lassen“, hieß es in einer nach dem Spiel veröffentlichten Erklärung.


Der Verein habe im Vorfeld der Begegnung alle ihm zur Verfügung stehenden Maßnahmen umgesetzt. „Wir werden weiterhin auf Prävention und Kommunikation setzen und fordern gleichzeitig die Gesellschaft dazu auf, uns bei diesem schwierigen Prozess zu unterstützen“, schrieb der Zweitligist weiter.

"Fans" sorgen für Unterbrechung bei Rostock - St. Pauli

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St. Pauli-Fans werden gefilzt

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Datum:  19.11.2011
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