Er wollte sie besitzen, sich mit ihr einschließen, sie offenbar grausamst misshandeln. Thomas F. (30) baute seine Wohnung in Barmbek in einen Folterbunker um. Dann verschleppte er eine 26-Jährige in sein Verlies. Die Frau konnte nur mit Glück in letzter Minute entkommen. Gegen den Entführer wurde Haftbefehl erlassen, teilte die Polizei am Sonntag mit.
Am frühen Freitagabend entführt Thomas F. die junge Iranerin aus ihrer Wohnung. Er klingelt, zieht eine Pistole, fordert die Frau zum Mitkommen auf. Gemeinsam fahren die beiden zu F.s Wohnung in der Wachtelstraße (Barmbek).
Das Appartement im Erdgeschoss gleicht einer Festung. Thomas F. hat Stacheldraht vor den Fenstern gespannt, die Scheiben sind mit einer Schutzfolie abgeklebt. Aus Vorsicht vor Einbrechern, hat er den Nachbarn erklärt. Hinein ließ er schon seit Wochen niemanden mehr.
Die 26-Jährige wird in ein bizarres Gefängnis geführt. Mitten im Wohnzimmer hat er eine schalldichte Kammer errichtet. Verstreut liegen Folterwerkzeuge und medizinisches Zubehör herum. Und genug Wasser und Lebensmittel, um sich mehrere Wochen lang mit ihr verbarrikadieren zu können, ohne einmal die Wohnung zu verlassen.
Doch die junge Frau hat Glück. Für einen Moment lässt Thomas F. sie unbeaufsichtigt, er verschwindet in der Küche. Sofort stürmt die 26-Jährige zum Fenster, reißt es in Todesangst aus den Angeln. Durch den engen Stacheldraht kann sie sich nach draußen retten.
Nachbarn beobachten die Frau bei ihrer Flucht, rufen um 21.48 Uhr die Polizei. Sie sehen auch, wie Thomas F. sich zur Verfolgung seines Opfers aufmacht. Die 26-Jährige kann dem Entführer aber entkommen. Völlig aufgelöst fährt sie zur Wohnung einer Bekannten und meldet sich später bei den Ermittlern.
Thomas F. wird bei der Rückkehr in seine Wohnung gestellt. „Er trug eine Schusswaffe und eine Handgranate bei sich, die sichergestellt werden konnten“, sagt Polizeisprecherin Christiane Leven. Die Wohnungstür hatte Thomas F. bei der Verfolgung offen gelassen. Möglicherweise wollte er sich gemeinsam mit dem Opfer in die Luft sprengen, wenn er die 26-Jährige bei ihrer Flucht eingeholt hätte.
Inzwischen sitzt der 30-Jährige in U-Haft. Bis Sonnabendabend war die Polizei noch damit beschäftigt, die Spuren in der Wohnung von Thomas F. zu sichern. Möglicherweise trieb den Mann eine krankhafte Bewunderung für die junge Frau zum Bau der Folterkammer.
Thomas F. hatte das Opfer schon vor Wochen flüchtig über einen Arbeitskollegen kennengelernt. Er soll sie danach immer wieder angerufen und ihr SMS geschrieben haben. Offenbar fand die junge Frau den 30-Jährigen zwar sympathisch, konnte sich aber keine feste Beziehung mit ihm vorstellen.
Daraufhin könnte der Mann die Entführung geplant haben. Über zwei Wochen lang soll Thomas F. mit dem Umbau seiner Wohnung beschäftigt gewesen sein. Gegenüber der Polizei hat sich der 30-Jährige noch nicht zur Tat geäußert. Er wird wohl erst in einigen Tagen ausführlich vernommen.
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