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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 30.3.2012

Auf der Spur eines Datenschutz-Skandals: „taz“-Reporter: Darum stahl ich die Klinik-Akten

Von Christoph Heinemann
„taz“-Reporter Marco Carini (49) stahl die Krankenakten.
„taz“-Reporter Marco Carini (49) stahl die Krankenakten.
Foto: hfr

Knochenbrüche, Suchtprobleme, Operationen. Alles haarklein protokolliert – und einfach weggeworfen. Vier Ordner mit Krankenakten wurden in Eilbek aus einem Müllcontainer gestohlen. Nun ist klar: Der Dieb war ein Journalist auf der Spur eines Datenschutz-Skandals.


„Ich bin dort hineingeklettert“, gab Marco Carini (49) von der „taz“ gegenüber der MOPO zu. Er hat sich inzwischen auch bei der Polizei gemeldet. „Ich wollte herausfinden, wie diese hochsensiblen Daten in den falschen Container kommen, und das Material in Ruhe sichten.“

Aus diesen Containern verschwanden die Akten.
Aus diesen Containern verschwanden die Akten.
Foto: Asklepios


Am vergangenen Montag bekommt der „taz“-Redakteur einen Tipp von einem Sperrmüllsammler. Tags darauf erklimmt Carini den 2,30 Meter hohen Container auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses Eilbek. „Es ist öffentlicher Grund, ich rechnete mit keiner Strafanzeige.“


Was er findet, hat es in sich. Hunderte Krankenakten und Notfallprotokolle, vor allem aus den ersten Jahren der 2000er. Schwere Verletzungen, Namen und Adressen der Patienten sind vermerkt. Genauso wie chronische Leiden, Unfallursachen und private Details, etwa Streit in der Familie.


Die Ordner waren irrtümlich in den Müllcontainer geschmissen worden, gehörten eigentlich in einen geschlossenen Behälter nebenan. Carini: „Einige Akten sollten nicht einmal weg. Auf einem Ordner stand: ,Bis zum Jahr 2013 aufbewahren’.“


Bei seiner Tat wird Carini von Handwerkern beobachtet und fotografiert. „Da musste ich einige Ordner als Beweis mitnehmen.“ Erst nach Carinis Anruf beim Datenschutzbeauftragten erfährt Asklepios am Donnerstag von den falsch entsorgten Krankenakten.


Wie es zu der Daten-Panne kam, ist immer noch unklar. „Wir befragen derzeit etwa ein Dutzend Mitarbeiter der beiden Fremdfirmen, die für die Entsorgung der Akten zuständig sind“, sagt Asklepios-Sprecher Rudi Schmidt. „Es ist klar, dass wir Konsequenzen aus diesem Fall ziehen werden.“


Auch für Marco Carini hat die Kletter-Affäre vielleicht Folgen. Angeblich prüft die Staatsanwaltschaft, ob sie Ermittlungen wegen des „Ausspähens von Daten“ gegen den Reporter einleiten wird.

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