Sie war erfolgreiche Ärztin, hatte ein süßes Baby, eine Familie. Diese Frau hatte alles, wovon andere nur träumen. Und doch quälte sich Julia W. (43) aus St. Pauli in ihrem Leben. So sehr, dass sie nur noch einen Ausweg sah: Sie vergiftete offenbar ihr Baby und stürzte sich anschließend vom Balkon ihrer Wohnung aus dem vierten Stock.
Julia W. arbeitete in einer Praxis in Hoheluft als Radiologie-Ärztin. Vor etwa zehn Monaten ging Julia W. in Mutterschutz, brachte kurze Zeit später einen Sohn zur Welt. Damit kam die 43-Jährige offenbar nicht klar.
Am Donnerstagnachmittag fasst Julia W. den furchtbaren Entschluss. Sie will das eigene und offenbar das Leben ihres Sohnes Joschi (acht Monate) beenden. Vermutlich gibt sie ihrem Kind Tabletten, legt es ins Bettchen. Dann geht die 43-Jährige auf den Balkon, stülpt sich eine Plastiktüte über den Kopf, bindet sie am Hals fest – und springt zehn Meter in die Tiefe.
Passanten eilen zu der Ärztin und rufen den Rettungsdienst. Julia W. hat schwere Schädelverletzungen und diverse Knochenbrüche, doch sie lebt. Inzwischen versucht ein Notarzt, den Säugling zu reanimieren. Vergeblich. Joschi ist tot.
Was trieb die Ärztin zu der Verzweiflungstat? Die Frau liegt im Krankenhaus, konnte noch nicht vernommen werden. Vermutlich litt sie an einer sogenannten postpartalen beziehungsweise perinatalen Depressionen. Bei dieser Krankheit verliert die Mutter den kompletten Kontakt zu ihrem Kind und zum sozialen Umfeld. Sie fällt in ein emotionales Loch. Die Folge eines Suizids, gemeinsam mit Kind, ist Ärzten nicht unbekannt.
Bei der ersten Obduktion des Baby-Leichnams gab es Anzeichen für eine Vergiftung. Die Polizei ermittelt jetzt gegen Julia W. Der Lebensgefährte und Vater des Kindes wird von Notfallseelsorgern betreut.
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