Schlimme Krawalle beim traditionellen Hamburger Hallenturnier in der Sporthalle Alsterdorf! Rund 40 Menschen erlitten durch den Einsatz von Pfefferspray Augenreizungen. 38 weitere wurden durch die Auseinandersetzungen verletzt und mussten zum Teil im Krankenhaus behandelt werden. Auch 14 Polizisten erlitten Verletzungen. Zahlreiche Fans wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, zwei Randalierer wurden festgenommen.
Gespenstische Stimmung in der mit 2.962 Zuschauern gefüllten Alsterdorfer Sporthalle. Am Freitag um kurz nach 19 Uhr kapitulierte der Fußball vor der Gewalt. Das Spiel zwischen Nordsjaelland und „Respect United“ wurde beim Stand von 2:2 unterbrochen, weil es auf den Tribünen hoch her ging. Anhänger von St. Pauli und VfB Lübeck waren aneinander geraten, dann griff auch die Polizei hart ein. Die Situation eskalierte.
Initialzündung für die Explosion der Gewalt: Um kurz vor 19 Uhr hatten einige der etwa 200 Anhänger des VfB Lübeck (darunter offensichtlich mehrere Hooligans mit bundesweitem Stadionverbot), unter die sich auch 30 HSV-Fans gemischt haben sollen, den St. Pauli-Block angegriffen, auf Fans eingeprügelt und zwei Fahnen und Plakate entwendet. Die Gegen-Attacke einiger der rund 1.000 Hamburger Anhänger wurde von dem massiven Polizeiaufgebot (insgesamt waren 340 Beamte vor Ort) auch unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray gebremst, was auch Unbeteiligte traf.
Eine Massenschlägerei im Innenraum der Halle konnte gerade noch verhindert werden. Auf einen Abbruch des Turniers wurde auf Wunsch der Polizei verzichtet, um ein massenhaftes unkontrolliertes Strömen der Zuschauer aus der Halle zu verhindern. Allerdings wurden auch St. Pauli-Fans massiv am Verlassen der Halle gehindert.
Jagd-Szenen und Chaos. Der Ball rollte weiter, ebenso drehte sich die Spirale der Gewalt. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen. Ein Teil des VIP-Bereichs wurde gestürmt und demoliert. Vor der Halle knallte es noch schlimmer. Es flogen Fäuste, Böller, Steine und Gehwegplatten. Die Polizei griff hart durch. „Ich selbst kann das nicht beurteilen, aber viele unserer Fans sprechen von einem überharten Einsatz“, so St. Paulis Pressesprecher Christian Bönig, der in der Halle war. Viele Zuschauer hatten Angst, verließen fluchtartig die Halle – darunter auch die Eltern von St. Pauli-Profi Benedikt Pliquett. Der Keeper geleitete Vater und Mutter persönlich aus der Arena.
Vor allem den zahlreichen Kindern stand der Schock ins Gesicht geschrieben, einige weinten.„Das ist organisierte Kriminalität!“, sagte Wolfgang Engelmann, einer der Macher des Turniers. Ein Augenzeuge berichtete: „Es war ziemlich heftig, wenn man gesehen hat, wie Kinder mit ihren Eltern nicht wussten, wohin. Wir sollten nicht nach draußen, nicht nach oben, überall wurde rumgerannt. Es war schon schockierend“, sagte der Zuschauer.
„Wir haben die Situation gehabt, dass ein Großteil sehr aggressiver Fans des FC St. Pauli weiterhin Auseinandersetzungen gesucht hat, im gesamten Hallenbereich, auch mit der Polizei“, sagte Einsatzleiter Robert Golz dem Sender "Sky Sport News." Die Beamten setzten Schlagstöcke und Reizgas ein. „Dabei sind zum Teil auch Unbeteiligte durch Pfefferspray verletzt worden“, räumte Golz ein.
„Traurig, dass es immer wieder ein paar Chaoten gibt, die so eine schöne Veranstaltung stören“, erklärte St. Pauli-Sportchef Helmut Schulte. Um 23 Uhr entschieden die Organisatoren zusammen mit der Polizei, den zweiten Tag aus Sicherheitsgründen zu streichen. Medien-Chef Peter Sanne: „Uns blieb nichts anderes übrig.“
Dem seit 1987 ausgetragenen Traditionsturnier droht das Aus. „Nach den heutigen Erfahrungen sollte der Schweinske-Cup nicht wieder stattfinden“, sagte Polizeieinsatzleiter Golz: „In dieser Halle ist bei so massiver Gewalt die Sicherheit nicht zu gewährleisten.“
Auch der Turniersponsor meldete sich zu Wort und verlangte umgehend eine Aufklärung der Geschehnisse. „Nach diesen Vorfällen wird es aus unserer Sicht künftig schwierig, für derartige Veranstaltungen weiterhin Sponsoren zu finden“, teilte die Gastronomie-Franchisekette Schweinske mit.
Die Polizei- und Sicherheitskräfte vor Ort waren überfordert mit der Masse der gewaltbereiten „Fans“. Erschwerend hinzu kam die besondere Hallensituation. In der Alsterdorfer Sporthalle ist es aufgrund der Bauweise schwer, Fangruppen voneinander zu trennen. Auch der Außenbereich ist wegen der baulichen Gestaltung unübersichtlich.
Bei den Tumulten wurden rund 80 Menschen verletzt. Rund 40 Personen hatten Augenreizungen, weil die Polizisten Pfefferspray in der Halle und außerhalb versprüht hatten. 21 Zuschauer wurden schwerer verletzt, acht mussten im Krankenhaus behandelt werden. Auch auf Seiten der Polizei kam es zu Verletzungen. Elf Beamte klagten über kleinere Blessuren, drei mussten ins Krankenhaus.
Konsequenzen wird es kaum geben. Lediglich zwei Randalierer hat die Polizei festgenommen (wegen Landfriedensbruch und Widerstand gegen Polizeibeamte). Allerdings wurden 74 Personen in Gewahrsam genommen – eine Maßnahme der Polizei zur Gefahrenabwehr und zur Eindämmung der Gewalt. Aufgrund der hohen Anzahl mussten die Randalierer auf mehrere Polizeistationen verteilt werden. Sie wurden schnell wieder freigelassen.
Die Veranstalter wussten nach eigenen Angaben bis zum Beginn des Turniers nicht, welcher Art die aus Lübeck anreisenden Fans waren, von denen sich laut Organisatoren erst (zu) spät zahlreiche als „Hooligans der Kategorie C“ (gewaltsuchende Fans) entpuppten. Die Kontaktaufnahme zum Lübecker Fanbeauftragten im Vorfeld war mehrfach gescheitert. Sicherheitshalber wurde die Fan-Gruppe per Shuttle-Bus vom Hauptbahnhof zur Halle gebracht, um ein Aufeinandertreffen mit St. Pauli-Fans in S- und U-Bahn zu verhindern. Fatalerweise wurden die Krawallbrüder in die Halle eingelassen. Der Ausschluss von bekannten Gewalt-Fans sei Veranstaltersache, sagt die Polizei.
Ursprünglich hatte der HSV am „Schweinske-Cup“ teilnehmen sollen. Zum Zeitpunkt des Rückzuges des Bundesligisten (aus Sicherheitsgründen) waren bereits viele Karten für den HSV-Fan-Block verkauft. Die meisten wurden zurückgegeben, 40 aber nicht. Diese Fans mischten sich unter die Lübecker Fans. Eine Allianz aufgrund des gemeinsamen Feindbildes: St. Pauli.
An der Alsterdorfer Sporthalle sind mehrere Scheiben eingetreten worden. Zudem haben die Prügel-Fans auch in der Umgebung randaliert. Autos wurden beschädigt. Die Schadenshöhe könne noch nicht beziffert werden, sagte Veranstalter Wolfgang Engelmann.
Hooligans und gewaltbereite Fans randalieren zunehmend außerhalb großer Stadien, wo es viel Polizeipräsenz und Videoüberwachung gibt, und wo viele der Krawall-Fans Stadionverbot haben. Die Gewalt hat sich in den letzten Jahren sukzessive in die unteren Ligen verlagert, wo die Gefahr, erwischt zu werden, geringer ist. Deshalb ist ein kleines Hallenturnier – traurig, aber wahr – ein „lohnendes Ziel“.
Krawalle dieser Größenordnung bei Hallenturnieren sind selten. Der bislang gravierendste Vorfall ereignete sich 2006 in Köln. 40 Anhänger von Eintracht Frankfurt waren ohne Eintrittskarte in die Arena und den Block von Aachener Fans gestürmt. Diese wiederum griffen kurz darauf die Kölner Anhänger an. 150 Randalierer wurden in Gewahrsam genommen.
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