In England wurde mal ein Porsche mit 275 Stundenkilometern erwischt, in der Schweiz ein Mercedes sogar mit 290 Sachen. So schnell wie Roberto P. aus Hamburg war noch keiner: Der 22-Jährige wurde mit 291,52 km/h gefilmt. Ein trauriger neuer Europarekord im Rasen.
Montagabend, 20.43 Uhr: Zwei Beamte der Verkehrsstaffel Süd fahren die A1 (Höhe Billstedt) entlang. Plötzlich wird ihr Zivilwagen von einem Luftstoß erfasst. Mit Mühe können die Polizisten noch erkennen, dass es ein schwarzer 7er BMW war, der gerade an ihnen vorbeigerast ist. Die Beamten nehmen die Verfolgung auf. Doch gegen die Super-Limousine haben sie keine Chance. Es gelingt ihnen gerade noch, mit der eingebauten „ProViDa“-Technik die Geschwindigkeit des Rasers zu messen: sage und schreibe 291,52 Stundenkilometer – 100 sind erlaubt! Laut Polizei hätte der Bremsweg mindestens 460 Meter betragen.
Per Funk rufen die Beamten Verstärkung. Der Raser wechselt am Kreuz Hamburg-Ost auf die A24, rast in Richtung City und fährt schließlich in Jenfeld ab. An der Jenfelder Allee gelingt es schließlich drei Streifenwagen, den BMW auszubremsen und zu stoppen. Am Steuer sitzt der etwas moppelige Roberto P.: 22 Jahre alt, gebürtiger Brasilianer, wohnhaft in Jenfeld, polizeibekannt wegen Diebstahls, Körperverletzung und Drogendelikten. Auf dem Beifahrersitz sitzt P.s Kumpel (29). Er sagt zu den Polizisten: „Ich hatte während der Fahrt große Angst.“ Vielleicht ja auch, weil im Kofferraum Drogen sind: Im Auto finden die Beamten ein paar Gramm Marihuana.
Den in Polen zugelassenen Wagen (BMW 750, zwölf Zylinder, 326 PS) hatte sich Roberto P. von einem Bekannten ausgeliehen. Die Wahnsinns-Geschwindigkeit von 291,52 km/h konnte er nur erreichen, weil die automatische Abriegelung (stoppt bei 250) entfernt wurde. „Zu den Gründen, weshalb er so schnell gefahren ist, machte der 22-Jährige keine Angaben“, sagt Polizeisprecher Andreas Schöpflin.
Roberto P. hatte, so viel steht fest, weder Drogen noch Alkohol im Blut. Kurios: „Trotz des hohen Tempos ist das nur eine Ordnungswidrigkeit, da ja offensichtlich niemand gefährdet wurde“, sagt Uwe Lenhart, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Das Gesetz sieht für Autobahn-Raser eigentlich eine Höchststrafe von 600 Euro, vier Punkten und einem dreimonatigen Fahrverbot vor (siehe Tabelle). Weil Roberto P. aber ganz offensichtlich vorsätzlich gerast ist, hat die Polizei die Möglichkeit, das Bußgeld zu erhöhen. In diesem Fall zu verdreifachen, auf 1800 Euro.
Welche Strafen Ihnen bei bestimmten Verkehrsverstößen droht, erfahren Sie in unserem Bußgeldkatalog.
Caesar S. (38) rast mit 100 Sachen über eine rote Ampel an der Eppendorfer Landstraße, kracht gegen einen entgegenkommenden Golf und schleudert in eine Menschenmenge. Vier Menschen sterben – darunter der Schauspieler Dietmar Mues
(† 65) und der Sozialwissenschaftler Günter Amendt († 71). Laut Polizei stand Caesar S. unter Einfluss von Marihuana.
An der Kollaustraße erwischt die Polizei den Fahrer eines Audi RS6 mit 122 Stundenkilometern – erlaubt sind 60. Der 26-Jährige wurde mit 480 Euro Bußgeld, einem dreimonatigen Fahrverbot und vier Punkten im Flensburger Zentralregister bestraft.
Anstatt mit erlaubten 50 rast Deniz D. mit 139 (!) Stundenkilometern die Kieler Straße entlang. Die Strafe für den 18-Jährigen: drei Monate Fahrverbot, eine Nachprüfung zur Fahrtauglichkeit, vier Punkte in Flensburg und ein Bußgeld von 680 Euro.
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