Nach Lara-Mia und Chantals Tod wird es eng um Bezirksamtchef Markus Schreiber. „Wir hätten das Kind nicht in diese Familie geben dürfen. Und wir hätten uns nicht auf das Jugendamt in Harburg verlassen dürfen.“, sagte Schreiber am Dienstag vor dem Familienausschuss.
Entsetzen bei den Genossen, Rücktrittsforderungen von der gesamten Opposition: Für Mitte-Bezirksamtschef Markus Schreiber (SPD) wird es immer enger, nachdem er sich gestern Abend um Kopf und Kragen geredet hat. Schreiber selbst bleibt aber dabei: „Ich sehe keine persönliche Schuld.“
CDU und FDP fordern Schreibers Rücktritt, Christiane Blömeke von der GAL warf Schreiber vor, er habe dem Kinderschutz in seinem Bezirk eine Stelle entzogen.
Am Dienstag beurlaubte Schreiber seine Jugendamtsleiterin Pia Wolters. Sein ganz persönliches Scheitern machte er mit einer Aussage klar: Er habe sie bereits 2009 nach dem Tod der kleinen Lara-Mia für ungeeignet gehalten. Sie sei aber im Amt belassen worden, weil er keine andere Stelle für sie fand!
Schreiber hat also bewusst eine als inkompetent betrachtete Amtschefin auf ihrem Stuhl gelassen. Schreiber zu diesem Vorwurf gestern: „Mir wurde bei der Versetzung von Frau Wolters nicht geholfen. Innerhalb meiner Behörde gab’s aber keine geeignete Stelle.“
Noch mag sich niemand aus der SPD gegen Schreiber stellen. Doch hinter vorgehaltener Hand herrscht blankes Entsetzen über seine Äußerung. „Da stehen einem die Haare zu Berge“, so ein Genosse. Schreiber wies in den vergangenen Tagen Rücktrittsforderungen von sich, da er bislang keine persönliche Schuld sehe. Vielmehr stellte er sich als Opfer falscher Informationspolitik des Jugendamtes dar.
Von Schreiber geschasst und dann vorgeführt: Selbst Sozialsenator Detlef Scheele zeigte sich überrascht, dass die kaltgestellte Jugendamtsleiterin am Dienstag noch im Familienausschuss saß. Es kam einer öffentlichen Demütigung gleich. Erst durch einen Anruf ihres Mannes erfuhr sie in der Sitzung, dass im Fernsehen über ihre „Entlassung“ berichtet werde. „Was soll ich dann noch hier?“, fuhr sie Schreiber in der Sitzung an. Der Bezirkschef dazu zur MOPO: „Gestern auf der Sitzung war Frau Wolters ja noch im Amt, heute nicht mehr.“
Schreiber hätte Wolters bereits 2009 entweder absetzen müssen. „Oder aber sie sehr eng führen und begleiten müssen. Beides hat er nicht getan. Herr Schreiber hat damit als Vorgesetzter persönlich versagt. An seiner Ablösung führt kein Weg vorbei“, meint GAL-Fraktionschef Jens Kerstan. Die CDU wirft Schreiber Charakterlosigkeit vor. Er verstecke sich hinter anderen und versuche, sich als Opfer darzustellen. Für die Linke ist klar: Schreiber hat nach dem Tod der kleinen Lara-Mia nicht die richtigen Konsequenzen gezogen. Er sei nicht in der Lage, nötige Veränderungen umzusetzen.
Die Bezirksversammlung Mitte könnte ihn entlassen. Dazu müssten sich alle Parteien (SPD, CDU. GAL, Linke und Piraten) einigen und sich auf einen Nachfolger verständigen. Möglich wäre allerdings auch, dass Bürgermeister Olaf Scholz Druck auf Schreiber ausübt und ihm den Rücktritt nahelegt. Senatssprecher Christoph Holstein betont, Scholz lasse sich mehrmals täglich sehr genau über die Sachlage informieren.
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