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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 29.11.2011

Stadt stellt auf Öko-Energie um: Hamburg heizt bald mit Wind

Von Mathis Neuburger
Überschüssiger Strom von Windrädern soll künftig in Wärme und Gas umgewandelt werden.
Überschüssiger Strom von Windrädern soll künftig in Wärme und Gas umgewandelt werden.
Foto: dpa

Heizen mit Wind, neue Gaskraftwerke, riesige Wärmespeicher, Windgasanlagen und intelligente Stromnetze: In Hamburg entsteht laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) das modernste Energiesystem Deutschlands.

Die Stadt kauft für 544 Millionen Euro ein Viertel der Strom-, Gas- und Fernwärme-Netze, Vattenfall und E.on investieren 1,6 Milliarden Euro.

Monatelang hat Scholz mit Vattenfall und E.on verhandelt. Hintergrund war der Streit um die Zukunft der Energienetze, zu dem noch ein Volksentscheid ansteht. Doch gestern präsentierte der Bürgermeister einen Vertrag, mit dem Hamburgs Energieversorgung umgekrempelt wird. Die MOPO erklärt das Mega-Projekt:

Was kauft die Stadt?

Einen 25,1-Prozent-Anteil der Strom-, Gas- und Fernwärmenetze von Vattenfall und E.on. Den Preis in Höhe von 544 Millionen Euro haben Gutachter bestimmt.

Was bekommt die Stadt dafür?

Eine Garantierendite von 4,2-4,5 Prozent, die höher sein soll als die Zinsen für den Kredit. „Das ist für uns ein risikofreies Geschäft“, so Scholz. Zudem gibt es ein Vetorecht bei Investitionen und der Frage, woraus Energie gewonnen wird. Die Unternehmen wollen 1,6 Milliarden Euro investieren.

Was ändert sich?

Die Wärmetrasse vom Kohlekraftwerk Moorburg nach Altona wird nicht gebaut, das Kraftwerk Wedel abgeschaltet. Dort oder in Stellingen wird ein knapp 500 Millionen Euro teures, „Innovationskraftwerk“ errichtet. Dieses soll aus Gas die nötige Wärme und Strom erzeugen sowie schwankende Windenergie ausgleichen. E.on baut 180 Blockheizkraftwerke, industrieller Abwärme wird stärker genutzt. Das Stromnetz soll „intelligent“ werden, um auf schwankende Öko-Energie zu reagieren.


Wie wird aus Wind Wärme?

Das neue Kraftwerk wird mit einem riesigen Warmwasserspeicher ausgestattet – genau wie das Kraftwerk Tiefstack. Die Speicher werden gefüllt, wenn zum Beispiel eine Sturmfront Unmengen Windstrom liefert oder dieser nachts besonders billig ist. Später wird die Wärme ins Netz gegeben. Dazu kommt eine Pilotanlage, die regenerativen Strom in Gas umwandelt, das ins normale Netz fließt. „Vergleichbares findet nirgends in Deutschland statt. Hamburg baut seine führende Stellung in Umwelttechnik aus“, so Scholz

Was haben E.on und Vattenfall davon?

Sie sichern sich weiter einen Großteil des Netz-Geschäfts und ein Quasi-Monopol bei der Wärme. Hier sollen 162000 zusätzliche Haushalte bis 2025 angeschlossen werden. Doch Vattenfall verliert mit der Fernwärmeleitung eine wichtige Einnahmequelle. Das Kohlkraftwerk sei dennoch profitabel zu betreiben, sagte Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth. Zudem wird geprüft, ob die Abwärme für ein Niedrigwärmenetz im Süden taugt.

Was bedeutet das für das Klima?

Die CO2-Emissionen durch Fernwärme sollen bis 2020 um 27 Prozent sinken.

Werden die Preise steigen?

Nein, sagt jedenfalls Scholz.

Was ist mit dem Volksentscheid zum kompletten Rückkauf der Netze?

Bei einem Erfolg ist der Vertrag hinfällig.

Was sagt die Opposition?

CDU und FDP bezeichnen den Staatsanteil als „finanzielles Abenteuer“, GAL und Linke kritisieren, dass die Konzerne ihre Monopolstellung behalten sowie Parlament und Volk übergangen wurden.

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