Spitzelverdacht

Elbphilharmonie: Kannte Hochtief interne Finanzpapiere?

Von Mathis Neuburger
Still ruht das Mega-Projekt: An der Elbphilharmonie wird vorerst kaum noch gebaut.
Still ruht das Mega-Projekt: An der Elbphilharmonie wird vorerst kaum noch gebaut.
Foto: dpa

Hatte Hochtief einen Spitzel bei der Stadt? Laut einem Mitarbeiter der Kulturbehörde besaß das Bauunternehmen während der Preisverhandlungen zur Elbphilharmonie vertrauliche Unterlagen über den finanziellen Spielraum der Stadt. Das sagte jetzt der Jurist der Kulturbehörde, Jochen Margedant, im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) aus.

Der Vorwurf des Geheimnisverrats wiegt schwer und er könnte die Stadt viel Geld gekostet haben. Es passierte Ende September 2008: Hochtief und die städtische Realisierungsgesellschaft ReGe streiten, wer die zig Millionen an zusätzlichen Baukosten bei dem Projekt tragen muss.

In einer entscheidenden Sitzung hält plötzlich ein Vertreter des Bau-Konsortiums ein Dokument hoch, das Jochen Margedant bekannt vorkommt. Und das die Gegenseite gar nicht kennen dürfte. In dem internen Papier geht es um den finanziellen Spielraum der Stadt. Nämlich um die zentrale Frage, wie viel Hamburg bereit ist, von den zusätzlichen Kosten zu übernehmen. Laut Papier zwischen 72 und 90 Millionen Euro.

Eine entsprechende Stellungnahme Margedants wurde am Freitag im PUA verlesen, ein Vorab-Bericht des „Abendblatts“ damit bestätigt. Demnach hatte Hochtief im Kosten-Poker einen unschätzbaren Vorteil. Die Stadt musste richtig bluten: Nach der Einigung stiegen die öffentlichen Kosten von 114 auf 323 Millionen Euro. Hochtief-Hamburg-Chef Thomas Möller habe laut Margedant in den Verhandlungen sogar Bezug auf das Papier genommen.

Derweil verzögert sich das Gerichtsverfahren zwischen Stadt und Baukonzern. Ein Entscheidungstermin wurde auf Februar verlegt.

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Datum:  20.1.2012
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