Ein Anwalt aus dem Landkreis Harburg will die Hundesteuer vor den europäischen Gerichtshof kippen. Aber ist es wirklich so unsinnig, Hundehalter zur Kasse zu bitten? Immerhin beschert der treuste Freund des Menschen der Stadt ganz schön viel Arbeit und Kosten. Laut Stadtreinigung macht ein durchschnittlicher Hund täglich 300 Gramm „Häufchen“. Bei 43.000 gemeldeten Hunden sind das jährlich 4600 Tonnen. Das entspricht rund 575 beladenen Müllfahrzeugen mit je acht Tonnen Ladung.
„Wir geben jedes Jahr allein 120.000 Euro für die Gassi-Beutel aus“, erklärt Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung. Der Verbrauch liegt bei 23 Millionen Gassi-Beuteln. Erstaunlich, denn offiziell angemeldet sind bei der Finanzbehörde nur 43.000 Hunde. Fiedler: „Würden für diese Hunde täglich ein Beutel benutzt, so würden wir nur 15,7 Millionen Beutel brauchen.“ Da darf spekuliert werden, was mit den vielen anderen Beuteln passiert.
Fiedler gibt zu bedenken, dass die Gassi-Beutel durch die Gebühren aus der Hausmüllabfuhr und der Wegereinigung bezahlt werden. „Den kostenlosen Service für die Hundehalter finanziert also die große Mehrheit der Hamburger ohne Hund.“
Seit es die Gassi-Beutel gibt, sind die Wege deutlich sauberer. „Die soziale Kontrolle hat stark zugenommen“, freut sich Fiedler. Viele Hundehalter trauen sich nicht mehr, die Haufen liegenzulassen. Leider werden immer öfter volle Beutel nicht in die roten Müllkörbe geworfen. „Manchem Hundehalter sind die paar Schritte wohl zu weit.“
Mario Sica (35), Maler aus St. Pauli: „Wenn man sich einen Hund anschafft, dann muss man halt auch die Steuer bezahlen – das weiß man und das ist in meinen Augen auch normal. Natürlich würde ich es fair finden, sie nicht mehr zahlen zu müssen. Aber was ist schon fair?“
Foto: Florian QuandtLaut Elmar Vitt ist die Steuer willkürlich, weil sie von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich hoch ist. Zudem diskriminiere sie Hundehalter gegenüber Besitzern von Katzen oder Pferden. „Außerdem darf man Tierliebe nicht besteuern.“ Vitt ist ein streitbarer Geist, der mit seinen Äußerungen auch schon mal übers Ziel hinausschießt. So sagte er: „Auf Kinder werden auch keine Steuern erhoben. Lärm und Dreck machen sie aber auch.“ Oder: „Ein Volk, das Tiere und die Menschenrechte von Tierfreunden nicht achtet, ist mental so weit von Mauer, Schießbefehl, KZs und Völkermord nicht entfernt.“
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