Kreidebleich, nach Fassung ringend kämpfte Markus Schreiber mit den Worten. Aufklärung versprach er den Abgeordneten der Bezirksversammlung, bat um mehr Zeit. Für den dienstältesten Bezirksamtsleiter geht es um die politische Zukunft. Und die könnte schon am Montag vorbei sein.
Dann soll der behördeninterne Bericht zum Tod von Chantal fertig sein. Eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses soll offene Fragen klären. Am Dienstag tritt dann der Familienausschuss der Bürgerschaft zusammen, spätestens dann muss klar sein, wer versagt hat.
Für Melanie Leonhard, familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, ist Schreiber schon halb abgeschrieben: „Es sprechen im Moment viele über einen möglichen Rücktritt des Bezirksamtsleiters. Aber bevor ich mich dem anschließe, möchte ich das Ende der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abwarten.“
Die GAL sieht Schreiber „in der Verantwortung“. Möglich, dass er bald „über seinen Rücktritt nachdenken muss“. Für die CDU „verfestigt sich der Eindruck, dass Schreiber nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist“.
Hat Schreiber, seit neun Jahren im Amt und Herr über 1300 Bedienstete, versagt? Könnte ein anderer Bezirkschef den Tod von Kindern künftig eher verhindern?
Schlecht reagiert hat Schreiber mit Sicherheit: Anfangs wies er jegliche Verantwortung des Bezirks rigoros zurück. Hinweise, wonach die Pflegeeltern Drogenabhängige sind, verbannte er ins Reich der Märchen. Jetzt ist klar, dass sein Jugendamt Chantal in die Obhut von Junkies gegeben hat.
„Ich habe Verantwortung für die Rahmenbedingungen“, sagte er Donnerstagabend vor den Abgeordneten, aufgezeichnet von „Hamburg1“. „Aber ich kann mir auch nicht jeden Schritt meiner Mitarbeiter vorlegen lassen.“
Das Bezirksamt ist zum Bunker geworden. „Sheriff“ Schreiber verschanzt sich. In der SPD gibt es viele, die ihn gern los wären, egal, was ihm am Ende vorgeworfen werden kann. Das weiß der 51-Jährige. Aber aufgeben will er nicht. Schreiber kämpft nicht zum ersten Mal mit dem Rücken zur Wand.
Vom Bürgermeister und Sozialsenator ist er nicht abhängig. Mitte-Patriarch Johannes Kahrs sitzt mit ihm in einem Boot und wird ihn nicht fallen lassen. Und Schreibers Bezirks-Genossen stehen „absolut hinter ihm und sehen auch keinen Grund, etwas anderes zu tun“, so Fraktionschef Falko Droßmann. Um Schreiber abzusetzen, müssten sich also Grüne, Linke, Piraten, FDP und CDU auf einen Nachfolger einigen. Das dürfte seine größte Sicherheit sein.
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