Wenn Politiker flehen müssen, ist es ernst. In einem Brief appellierte der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) an den „lieben Olaf“ Scholz, die Musterschülerin Selenora (16) und ihre Familie nicht nach Serbien abzuschieben. Doch der Senatschef zeigt keine Gnade.
Es gäbe „keine Möglichkeit, Ihrem Anliegen zu entsprechen“, heißt es kühl im Antwortbrief an Beck. Verfasst hat ihn nicht Scholz selbst, sondern Innen-Staatsrat Volker Schiek (SPD). Die „Sach- und Rechtslage“ sei „sorgfältig geprüft“ worden. Ergebnis: die Abschiebung von Selenora, samt ihres musikalisch hochbegabten Bruders und ihrer Eltern.
Die Roma-Familie traf die Nachricht hart. „Es gibt jetzt wohl keine Chance mehr“, sagte Vater Boban Racipovic der MOPO. „Verstehen werden wir das Verhalten der Stadt nie.“ Zwar erkennt der Senat an, dass die Kinder „einen guten Integrationswillen gezeigt haben. Aber: Den Fall erneut der Härtefallkommission der Bürgerschaft vorzulegen, sei „nicht angezeigt“. Erst in Zukunft will der Senat für eine Änderung der Asylgesetze kämpfen – um „jungen, gut integrierten Migranten“ einen Rechtsanspruch auf ein dauerhaftes Bleiberecht zu ermöglichen.
Selenora und ihre Familie packen bereits die Koffer. Sie wollen nicht warten, bis sie am Ende des Monats abgeschoben werden, sondern Deutschland in Würde und auf eigene Faust verlassen.
Normalerweise kommt Hamburg für die Kosten einer freiwilligen Ausreise auf – bei der der Roma-Familie zeigt sich die Stadt kalt. Es wird kein Geld bewilligt, weil die Racipovics nach Ende des Jugoslawienkriegs bereits einmal ausreisen mussten. Selenora und ihre Eltern wollen nun das Geld sammeln. Politiker von GAL und Linke versuchen, Olaf Scholz noch umzustimmen.
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