Gleich vier Mal wurde dem Jugendamt Wilhelmsburg in den vergangenen Jahren gemeldet, dass die Pflegeeltern von Chantal ein Drogenproblem haben. „Das Jugendamt tat das als Mobbing ab“, berichtete Bezirksamtsleiter Markus Schreiber am Dienstag vor dem Familienausschuss. Mehrfach hätten auch Nachbarn und Verwandte angerufen, es gehe Chantal in der Familie nicht gut. Auch das nahm das Amt nicht ernst – so das erschütternde Ergebnis des ersten Aufarbeitungs-Berichts. Schreibers Resümee: „Wir hätten das Kind nicht in diese Familie geben dürfen. Und wir hätten uns nicht auf das Jugendamt in Harburg verlassen dürfen.“ Im Klartext: Das Jugendamt in Mitte hat die Pflegefamilie nicht ein einziges Mal richtig auf Eignung überprüft. Die Jugendamts-Mitarbeiter hatten zudem jedes Gespür für das Wohl des Kindes verloren.
Sozialsenator Detlef Scheele kündigte Aufklärung und schnelle Änderung an. „Wenn die Eltern drogenabhängig sind, ist wirklich Eile geboten.“ Nun müsse ganz schnell Drogentest, Gesundheitszeugnis und Führungszeugnis Pflicht werden.
Christiane Blömeke von der GAL warf Schreiber vor, er habe dem Kinderschutz in seinem Bezirk eine Stelle entzogen. Denn nach dem Tod von Lara-Mia vor drei Jahren hatte der Bezirk Mitte eine zweite Stelle für die Koordination des Kinderschutzes eingerichtet. Laut GAL sei diese Stelle aber nicht mehr besetzt. „Das stimmt nicht ganz, wir haben immer noch eine bessere Besetzung, als andere Bezirke“, so Schreiber. CDU und FDP forderten den Rücktritt von Schreiber.
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