Monatelang wurde am runden Tisch um die Zukunft der „Esso-Häuser“ am Spielbudenplatz gerungen, jetzt hat der Investor „Bayerische Hausbau“ plötzlich hingeschmissen, beharrt auf Abriss und Neubau.
Das Wohnungsbauunternehmen fuhr am Dienstag bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz in der Handwerkskammer am Holstenwall schwere Geschütze auf. Die Mieterinitiative sei eine zahlenmäßig kleine Gruppe, die nicht demokratisch legitimiert sei. Sie würde „auf Zeit spielen“ und auf Maximalforderungen bestehen. Knackpunkt war zum Schluss ein Streit darum, welche Gutachter unter welchen Voraussetzungen ein Gutachten zur Zukunft der „Esso-Häuser“ anfertigen sollten und ob es möglich sei, die Häuser zu sanieren, ohne dass Bewohner ausziehen.
Jetzt will die „Hausbau“ einen Architektenwettbewerb zu einem Neubau starten und ab 2014 mit dem Abriss beginnen. Statt 107 soll es künftig bis zu 300 Wohnungen geben, darunter etwa 100 Sozialwohnungen. Aktuell sind die Wohnungen teils in sehr schlechtem Zustand. Vor allem wegen schlechter Isolierung zahlen die Mieter aber bis zu 17 Euro für den Quadratmeter (warm). Das Unternehmen versprach Ausweichquartiere und ein Rückkehrrecht ohne Mieterhöhungen.
Die „Initiative Esso-Häuser“, die für sich beansprucht, etwa die Hälfte der Mieter zu repräsentieren, wies die Vorwürfe der „Bayerischen Hausbau“ zurück, warf dem Unternehmen sogar vor zu „lügen“. Ini-Sprecher Steffen Jörg: „Die Bayerische Hausbau hat den Einigungsprozess frühzeitig abgebrochen, dafür trägt sie die alleinige Verantwortung!“
Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) und SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote „bedauerten“ den Abbruch der Gespräche. Jetzt sei „offen“, wie es weitergeht. Abriss und Neubau seien keineswegs ein Selbstgänger. Michael Osterburg, GAL-Fraktionschef in Mitte, kündigte gestern an, man werde bei einem Neubau mindestens 50Prozent Sozialwohnungen fordern. Die CDU äußerte „Verständnis“ für den Schritt des Investors.
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