Vor einem Jahr, am 20. Februar, hat Hamburg Olaf Scholz (53, SPD) ins Amt gewählt. Im Interview erklärt er, wie er Todesfälle von Kindern verhindern will, warum er die Elbphilharmonie gebaut hätte und die SPD mit ihm nichts zu lachen hat.
Scholz: Wie lautet der denn?
Kenn’ ich nicht.
Keine Ahnung.
Schreiber hat auch öffentlich gesagt, dass er ein gutes Gespräch mit mir hatte. Das war auch so. Er hat um seine Abberufung als Bezirksamtsleiter gebeten.
Wir hatten ein gutes Gespräch.
Die SPD ist eine sehr lebendige Partei. Da wird viel diskutiert. Keiner entscheidet allein.
Für das Wohl Hamburgs mache ich keine Kompromisse.
Gut. Denn Hamburg liegt der SPD am Herzen.
Ich kann versprechen, dass alles, was in meiner Macht steht, getan wird, um für Kinder die richtigen Bedingungen herzustellen. Das heißt auch, dass es in Pflegefamilien weder Gewalt noch Drogen oder Kriminalität geben kann.
Ja. Wir brauchen Familien in allen Stadtteilen und allen gesellschaftlichen Gruppen. Aber: Nicht die Frage des Geldes oder des Wohnorts ist entscheidend für das Wohl der Kinder. Es geht um das Herz!
Ich bin mit der Kanzlerin einer Meinung: Das ist ein schlechter Witz. Wir brauchen ein gerechtes System zur Unterstützung der Eltern. Ich habe die Vision, dass Hamburg die Stadt wird, die Kindern die besten Chancen bietet. Deshalb haben wir die Gebührenerhöhung für den Kitabesuch zurückgenommen, bauen Krippen und Kitas aus. Wir wollen die halbtägige Betreuung kostenfrei anbieten, die Grundschulklassen kleiner machen und ganztägige Betreuung ermöglichen. Ich will eine Stadt, die für berufstätige Eltern attraktiv ist.
Wir konsolidieren den Haushalt mit vielen Einzelentscheidungen, die dazu führen, dass mit Steuergeld ordentlich umgegangen wird. Wir werden das schaffen.
Ich bin mir sicher, dass alle Skeptiker beim nächsten Haushalt merken, dass die Begrenzung auf ein Prozent Ausgabensteigerung eine wirklich große Herausforderung ist und einige Dinge nicht mehr bezahlt werden können. Ich hoffe, dass Sie diese Kürzungen dann nicht auch wieder kritisieren.
Ich bin für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes. Und ich wäre davon auch betroffen.
Nein, verdiene aber sehr gut.
Ich gebe es der Bank und erhalte kleine Zinsen, ein Art Tagesgeldkonto.
Zeitangaben sind hier bekanntermaßen schwierig. Jetzt geht es darum, hart zu verhandeln und das Geld der Steuerzahler zusammenzuhalten. Hätte man länger und gründlicher geplant und später mit dem Bau begonnen, wären sie vielleicht schon fertig. Und sie wäre sicher billiger geworden.
Es ist sicher ein großartiges Projekt, das Hamburg jetzt schon Ruhm einträgt.
Eine besser geplante Philharmonie wäre in meiner Verantwortung eine gute Entscheidung gewesen.
Vor etwa einem Jahr.
Nein.
Kein Wunder: Diese Experten reden ja über das Geld, das andere ausgeben sollen. Wir machen auch viel mehr, als nur das Bussystem zu beschleunigen. Wir bauen den gesamten öffentlichen Nahverkehr aus mit einer eigenständigen S4, der Verlängerung der U4, beim Car-Sharing, bei Leih-Rädern.
Wir sind nicht ideologisch. Wir bauen Busspuren, wo es Sinn macht. Und wir setzen Vorrangschaltungen ein, damit Busse schneller vorankommen.
Nein.
Ich wähle meine Freunde nicht nach Geld aus.
Glaube ich nicht, ist aber auch nicht das Thema. Die Frage ist, was wir tun können, um einen guten, neuen Bundespräsidenten zu bekommen. Deshalb bin ich froh, dass die Kanzlerin einen Kandidaten vorschlagen will, der von allen getragen wird.
Ich bin Sozialdemokrat.
Die SPD ist seit fast 150 Jahren die Partei des Fortschritts und damit auch die große linke Volkspartei.
In diesem Sinne – haben Sie was dagegen?
Olaf Scholz wurde am 14. Juni 1958 in Osnabrück geboren. Zur Schule ging er in Rahlstedt, trat als Gymnasiast den Jusos bei. 1994 bis 2000 war er SPD-Chef in Altona, 2001 kurzzeitig Innensenator. 2005 wird er Arbeitsminister. Seit März 2011 ist er Bürgermeister. In seiner Freizeit geht Scholz gern mit seiner Frau ins Kino (zuletzt haben sie „Ziemlich beste Freunde“ gesehen) und liest Bücher. Scholz wohnt in Altona-Altstadt.
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