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Ex-Bezirksamtsleiter von Mitte: Markus Schreiber: Sein neues Leben als Kiez-Investor

Markus Schreiber am Hamburger Berg (St. Pauli) vor den Kneipen „Kiek ut“ und „Villa Kunterbunt“ Sie weichen dem Neubau, den er hochzieht.
Markus Schreiber am Hamburger Berg (St. Pauli) vor den Kneipen „Kiek ut“ und „Villa Kunterbunt“ Sie weichen dem Neubau, den er hochzieht.
Foto: Florian Quandt

„Scheitern als Chance begreifen.“ Es gibt Phrasen, die haben einen wahren Kern. Markus Schreiber (52) wirkt auf dem Kiez total entspannt, als ihn die MOPO trifft. Der nach dem Tod der kleinen Chantal vor einem Jahr zurückgetretene Bezirksamtsleiter von Mitte ist unter die Immobilienentwickler gegangen. Am Hamburger Berg will Schreiber 23 Studentenwohnungen bauen.

„Jägermeister 1,10 Euro“ oder „Kleiner Mexikaner 50 Cent“: Hochprozentiges für kleines Geld gibt’s bei „Kiek ut“ und „Villa Kunterbunt“. Es sind Absturzkneipen. Aber bald ist es vorbei damit. Denn die Flachbauten, in denen sie residieren, werden in wenigen Monaten Geschichte sein.

Dann wird Markus Schreiber sie ersetzen: durch ein siebenstöckiges Gebäude. Als Prokurist des Immobilienunternehmens „Außenalster GmbH“ ist Schreiber Bauherr. „Wir hoffen auf eine rasche Baugenehmigung, damit dringend benötigter bezahlbarer Wohnraum für Studierende geschaffen werden kann“, sagt der ehemalige SPD-Politiker.

So soll der Neubau am Hamburger Berg 31  im Jahr 2014 aussehen. Studenten-Appartements gibt es dann  ab 220 Euro Monatsmiete.
So soll der Neubau am Hamburger Berg 31 im Jahr 2014 aussehen. Studenten-Appartements gibt es dann ab 220 Euro Monatsmiete.
Foto: hfr

Zehn Jahre lang hat Schreiber als Bezirksamtsleiter auf der anderen Seite gesessen. Da haben er und seine Leute darüber entschieden, wer was wo baut. Schreiber vermeidet es heute, beruflichen Kontakt mit ehemaligen Unterstellten im Bezirksamt Mitte aufzunehmen. In anderen Ämtern dagegen wird er vorstellig, sagt: „Man behandelt den Bürger Schreiber gut“, schiebt aber auch gleich hinterher: „In den Bezirksämtern wird jeder Bürger gut behandelt!“

Froh sei er, dass er mit den Dingen, die ihn sein Amt gekostet haben, nichts mehr zu tun hat. Schreibers Probleme fingen an, als er im Oktober 2011 einen skandalösen „Anti-Obdachlosen-Zaun“ an der Kersten-Miles-Brücke“ unterhalb des Bismarck-Denkmals errichten ließ und ihn nach massiven Protesten wieder abbauen musste. Am 16. Januar 2012 starb dann die vom Jugendamt Mitte betreute elfjährige Chantal in Wilhelmsburg an einer Überdosis Methadon.

„Kindeswohl und wirtschaftliche Interessen vertragen sich nicht“, sagt Schreiber heute und meint damit den Einsatz eines freien Trägers im Fall Chantal. „Man braucht wieder die gute alte Fürsorgerin vom Amt“, meint er. Das Thema nimmt Schreiber noch mit, er schluckt. „Ich hatte 1700 Mitarbeiter, man muss sich doch auf die Leute verlassen....“ Als „furchtbar“ empfindet Schreiber, dass sich damals Beamte im Jugendamt an die unhaltbaren Zustände gewöhnt hatten.

Nun blickt er nach vorn: „ Der Job bringt mir viel Spaß, ich hab’ nette Kollegen und einen netten Chef.“ Vorbei sind die 16-Stunden-Tage. „Ich bin meist gegen 18 Uhr zu Hause, kann mit meiner Tochter Mathe üben oder zusammen mit meiner Frau und Freunden ins Kino gehen.“

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