Die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg wurde in einer Fragestunde im Bundestag hitzig diskutiert, die Emotionen kochten über.
Dem Verteidigungsminister schallten Buh-Rufe, höhnische Bemerkungen und lautes Gelächter entgegen. Immer wieder riefen die Abgeordnete „Betrug“ oder „Heuchler“ durch den Saal – eine Stimmung wie im Bierzelt.
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin machte den Anfang: „Herr Dr. Guttenberg“, begann er und betonte dabei demonstrativ den umstrittenen Titel des Ministers. Dann stellte er eine Frage zu einem Treffen mit „Frau Merkel“ am Donnerstag – „Frau Dr. Merkel“ kam ein Zwischenruf aus dem Publikum. Gelächter aus den Reihen der Opposition.
Guttenberg begann seine Antwort souverän, doch schnell verhaspelte er sich. In Afghanistan habe es vergangene Woche bekannter weise „alles andere als unerfreuliche Vorfälle“ gegeben – dieser Versprecher in Hinblick auf die in Wirklichkeit sehr unerfreulichen Todesfälle in Afghanistan ging noch unter.
Doch die nächste Bemerkung traf ins Schwarze: „Ich konnte mich am Wochenende erstmals mit der Arbeit befassen“, sagte Guttenberg. Laute Lacher, Applaus und Rufe aus dem Publikum. Der Minister korrigierte sich: „Ausführlich beschäftigen in Hinblick auf die Vorwürfe“ meinte er natürlich. Guttenberg wurde lauter, er wollte sich nicht aus dem Konzept bringen lassen.
Später gab sich Guttenberg demütig: Er habe seine Arbeit, die Dissertation und das Dasein als Familienvater nicht unter einen Hut bringen können. Der Verteidigungsminister hoffte auf Verständnis – seine Gegner reagierten mit gespielten, übertriebenen Mitleidsrufen. „Das ist kein Grund zur Häme“, wehrte sich Guttenberg scheinbar betroffen. „Man kann versuchen, das zu verstehen“, sagte er mit jetzt leicht trotzigem Ton. Seine Koalitionskollegen taten ihm den Gefallen und klatschten.
Guttenberg ging noch weiter. Er wolle dem Land nicht nur weiter als Minister dienen, sein Schicksal könne jetzt auch ganz Deutschland nützen: „Daraus können wir alle noch etwas lernen. Wir sollten alle etwas präziser werden.“
Lustig wurde es für die Oppositionspolitiker noch einmal, als Dagmar Enkelmann von den Linken eine Frage stellte. Guttenberg begann seine Antwort mit „Sehr verehrte Frau Enkelmann“. Ein Zuhörer rief dazwischen, dass die Kollegin einen Doktortitel hat. Guttenberg antwortete mit konzentriert ernsthafter Miene: „Dann gratuliere ich Ihnen dazu, ohne jede Ironie.“ Der Verteidigungsminister selbst blieb ernst – im Bundestag gelang das kaum einem Besucher. Diese Fragestunde erinnerte – trotz des unerfreulichen Themas – irgendwie an politisches Kabarett.
Wie heftig die Politiker Guttenberg im Bundestag angriffen oder verteidigten – hier zum Durchklicken.
„Sie haben getäuscht, Sie haben betrogen, Sie haben gelogen. Ich finde es unerträglich, dass die Bundeskanzlerin die Entscheidung getroffen hat, dass ein akademischer Hochstapler und Lügner weiter dem Kabinett angehören darf.“
Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion
Aber auch Kanzlerin Angela Merkel habe versagt, indem sie sich vor Guttenberg gestellt habe mit der Bemerkung, sie habe ihn ja nicht als wissenschaftlichen Assistenten eingestellt. „Dann kann der auch betrunken fahren. Sie hat ihn ja auch nicht als Fahrer eingestellt.“
Linksfraktionsvize Dietmar Bartsch
„Frau Bundeskanzlerin, die Bundeswehr darf nicht mehr von einem Felix Krull kommandiert werden. Entlassen Sie Herrn Dr. zu Guttenberg.“
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin
„Die Satiriker spotten ja auch schon, Herr Guttenberg, wenn Sie sich damit rausreden wollen, sie hätten nur schlampig zitiert, dass diejenigen, die des Ladendiebstahls künftig überführt werden, sich damit herausreden demnächst, sie hätten schlampig eingekauft.“
Thomas Oppermann
„Ich appelliere an Ihre Ehre: Früher wusste der Adel, was an solch einer Stelle zu tun ist.“
Linken-Abgeordneter Dietmar Bartsch
„Herr zu Guttenberg hat sehr wohl Anspruch darauf, dass man ihn nicht mit Personen vergleicht, deren Verhalten eine ganz andere politische Dimension hat. Gabriel hat Herrn zu Guttenberg mit Ministerpräsident Berlusconi verglichen, einem alten Mann, der Sex mit minderjährigen Frauen hat, und um dies zu vertuschen sein Amt als Regierungschef missbraucht, und der glaubt, sich dafür über das Gesetz stellen zu können. Dafür muss sich Herr Gabriel entschuldigen.“
Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU)