3,3 Millionen für einen Radweg!
So verschwendet die Stadt unser Geld
Von
Mathis Neuburger
MOPO-Reporterin Geli Tangermann (24) steht mit einem „Stadtrad“ vor dem bald wohl teuersten Radweg Deutschlands am Großmarkt.
Foto: Florian Quandt
MOPO-Reporterin Geli Tangermann (24) steht mit einem „Stadtrad“ vor dem bald wohl teuersten Radweg Deutschlands am Großmarkt.
Foto: Florian Quandt
3,3 Millionen Euro für 1,2 Kilometer Radweg? Vor einem Jahr hat die SPD das Projekt noch „absurd“ genannt. Jetzt wird Deutschlands wohl teuerste Fahrradstrecke trotzdem gebaut!
Der Radweg soll südlich am Großmarkt vorbeiführen. Der Plan stammt noch von Schwarz-Grün: Eine „befriedigende Fuß- und Radwegstrecke auf Seiten der Elbe“ hatte sich die Koalition vorgenommen.
Doch das Großmarkt-Gelände wird von einer Flutschutzmauer begrenzt. Damit die Radler nicht auf Beton, sondern auf die Elbe gucken und auch nicht von Lkws drangsaliert werden, baut ihnen die Behörde jetzt eine schicke Promenade.
Dabei gibt es bereits Radwege an der Amsinckstraße nach Rothenburgsort. Zudem können Radler über die Veloroute 10 von den Elbbrücken in die HafenCity und die Innenstadt rollen.
Im April 2010 hatte die MOPO erstmals über den Teuro-Weg berichtet. Die jetzige verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Martina Koeppen, nannte die Pläne „absurd“. Schließlich sei „nicht mal genug Geld da, um die vorhandenen Radwege zu sanieren“.
Entsprechend unglücklich ist die SPD, dass die Strecke jetzt doch gebaut wird. „Immerhin kommt das Geld nicht mehr aus dem Rad-Etat“, der bei zehn Millionen Euro jährlich liegt, sagt Koeppen. „Die Strecke geht also nicht zu Lasten anderer Rad-Investitionen.“
Steuergeld ist es trotzdem. „Wir können uns solche Luxus-Projekte schlichtweg nicht leisten. Alle schnallen den Gürtel enger – da muss auch die Verwaltung mit der Verwirklichung ihrer Radwegträume Schluss machen“, sagt Marcel Schweitzer vom Steuerzahlerbund.
Das sieht die neue Führung der Verkehrsbehörde auch nicht viel anders – und gibt intern CDU und GAL die Schuld an dem Schlamassel. Die haben nämlich bereits östlich und westlich der Strecke für viel Geld neue Wege und Rampen angelegt.
„Jetzt macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, nur das fehlende Mittelstück nicht zu bauen“, sagt eine Behördensprecherin. Zudem werde so viel für den „Sprung über die Elbe“ und die Aufwertung Rothenburgsorts getan. „Und hier verläuft dann mit dem Elberadweg die beliebteste Radreisestrecke Deutschlands.“
2013 soll die Millionen-Piste fertig sein. Pro Tag rechnet die Behörde dann mit ganzen 1000 Nutzern.
In der Fotogalerie sehen Sie, wo die Stadt noch Geld verschwendet - einfach durchklicken!
Hier versickert unser Geld
Bildergalerie ( 8 Bilder )
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Ein simples Logo für 45.000 Euro: Für das neue Logo der „Sportstadt Hamburg“ wurden 45220 Euro hingeblättert. Laut Steuerzahlerbund handelt es sich dabei aber lediglich um eine abgewandelte Form des Logos für die Hamburger Olympia-Bewerbung. Nach Berechnungen des Vereins hätte ein professioneller Grafiker ein „neues“ Zeichen bereits für 5000 Euro erstellen können.
Foto: Martin BrinckmannSportskleidung0
91.000 Euro für eine Kampagne: Für eine Einbürgerungskampagne gab der Senat im vergangenen Jahr 91074,60 Euro aus. Prominente Unterstützer waren Boxerin Susi Kentikian (Foto) und Koch Ali Güngörmüs (r.). Die Einschätzung des Steuerzahlerbundes: „Die Kampagne war nett gemeint, brachte aber nichts.“
Foto: Volker Schimkus
Jungfernstieg: Die Neugestaltung des Jungfernstiegs kostete die Stadt laut Steuerzahlerbund 8,5 Millionen Euro und ist „ein trauriges Beispiel provinzieller Bauplanung“. Weil man versäumt hatte, das teure Pflaster zu imprägnieren, wurden die edlen Steine schmutzig. Hinzu kommt: Der Radweg darf gar nicht benutzt werden, weil Auflagen nicht erfüllt wurden.
Foto: Florian Quandt
Der Öko-Flop von Ottensen: Das „Nachhaltigkeitszentrum VIVO!“ in Ottensen (Bahrenfelder Straße) sollte 2003 zu einem Öko-Tempel mit bis zu 70 Betrieben werden. Nachdem 40 Millionen Euro Steuergelder verbaut waren, stellte sich heraus, dass sich nicht genügend Mieter finden ließen. Die Stadt musste die Notbremse ziehen, zog schließlich selbst in die Räume – und fährt dennoch ein jährliches Defizit von 1,8 Millionen Euro ein.
Foto: Vivo Gebäude
Das teure Polizeiorchester: Für viele Hamburger seit jeher ein teures Ärgernis: das Polizeiorchester. Die musizierenden Beamten kosten den Steuerzahler jährlich 1,6 (!) Millionen Euro. Laut Steuerzahlerbund hat das Orchester weniger als 100 Konzerte pro Jahr und nimmt weniger als 30000 Euro ein.
Foto: Polizeiorchester hamburg
Falsche Mietverträge: Die Arge übernimmt die Kosten für Wohnungen von Hartz-IV-Empfängern. Diese haben die Verwaltung immer wieder darüber informiert, dass die im Mietvertrag angegebene Wohnungsgröße nicht mit der tatsächlichen übereinstimmt und daher zu viel Miete überwiesen wird. Laut Steuerzahlerbund hat die Arge trotz konkreter Hinweise nichts unternommen, um die zu viel gezahlten Mieten zurückzufordern.
Foto: picture-alliance
100.000 für einen Wald: Die Revierförsterei Alt-Erfrade (Kreis Segeberg) war ursprünglich als Ausgleichsfläche für eine Mülldeponie in der Stadt vorgesehen. Laut Steuerzahlerbund dient sie heute aber nur noch dem „Weihnachtsbaum-Tourismus“. Nach Angaben des Vereins wird die Försterei jährlich mit 100000 Euro aus dem Haushalt bezuschusst. Ein Verkauf brächte acht Millionen Euro.
Foto: picture-alliance
Der wohl teuerste Radweg Deutschlands: MOPO-Reporterin Geli Tangermann (24) steht mit einem Stadtrad vor dem gerade mal 1,2 Kilometer langen und 3,3 Millionen Euro teuren Radweg, der südlich am Großmarkt vorbeiführen soll. Damit die Radler nicht auf eine Mauer, sondern auf die Elbe gucken, baut ihnen die Stadt eine schicke Promenade. Dabei gibt es bereits Radwege an der Amsinckstraße nach Rothenburgsort. Zudem können Radler über die Veloroute 10 von den Elbbrücken in die HafenCity und die Innenstadt rollen.
Foto:
Florian Quandt
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