Schwanger, unerwartet, vielleicht sogar ungewollt – was nun? Trotz Babyklappe, trotz „anonymer Geburt“: Immer wieder setzen verzweifelte Mütter ihre Kinder aus. In Parks, sogar auf Müllkippen. Die Not von Schwangeren – jetzt soll es Hilfe geben.
Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will mit einer rechtlichen Grauzone Schluss machen. Das Stichwort heißt „vertrauliche Geburt“. Schröder will sich den „schwangeren Müttern zuwenden, die aus persönlichen Gründen Angst haben vor den Standards einer regulären, meldepflichtigen Geburt“. Die Ministerin gegenüber unserer Zeitung: „Ich möchte diese Frauen gewinnen, ihr Kind trotz ihrer Sorgen in einem Krankenhaus zur Welt zu bringen.“ Dieses Jahr soll das Gesetz verabschiedet werden.
Welche Möglichkeit haben Schwangere in Not bisher?
Seit zwölf Jahren gibt es in Deutschland Babyklappen. Rund 130 Kliniken bieten zudem „anonyme Geburten“ an: Mütter können ihr Kind unter medizinischer Begleitung gebären, es zur Adoption freigeben und anonym bleiben. In den vergangenen zwölf Jahren wurden 652 Babys anonym geboren, 278 in eine Babyklappe gelegt, 43 Kinder anonym übergeben.
Was genau ist die „vertrauliche Geburt“?
Laut Schröders Plan sollen Mütter keine rechtlichen Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie den Weg wählen, zudem Hilfsangebote erhalten. Zwar werden bei der „vertraulichen Geburt“ Daten hinterlegt, aber nicht an Ämter weitergegeben. Die Kinder sollen nach einigen Jahren – unklar ist noch, ab wann – die Möglichkeit erhalten, Kontakt zur Mutter aufzunehmen.
Das Gesetz, das von den meisten Experten aus Parteien und Wissenschaft sowie vom Hebammenverband begrüßt wird, soll aber nur eine Ergänzung sein. Schröder zu uns: „Jeder Mensch mit Herz ist froh über jedes Kind, das durch eine Babyklappe gerettet wird. Deshalb halte ich einen verlässlichen Rechtsrahmen für die bestehenden Einrichtungen für sinnvoll.“