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Sexismus-Debatte: Brüderle kneift vor "Stern"-Reporterin Himmelreich

Trat Brüderle gegenüber: Stern-Journalistin Laura Himmelreich.
Trat Brüderle gegenüber: Stern-Journalistin Laura Himmelreich.
Foto: dpa

Wenn Rainer Brüderle (67) am Mittwoch einer Sitzungswoche ein Dutzend Journalisten zum Frühstück trifft, geht’s meist entspannt zu.

Offen werden die Dinge besprochen, die politisch anstehen. Einiges davon „unter 3“, dem von beiden Seiten geschätzten Code für strikte Vertraulichkeit. Am Mittwoch war alles anders.

Raum 6556 im sechsten Stock des Jakob-Kaiser-Hauses: In dem kleinen Ecksaal mit Blick auf die Reichstagskuppel drängen sich 80 Reporter. Fast alle sind nur wegen eines Themas hier: der Sexismus-Debatte, ausgelöst durch einen „Stern“-Artikel der Journalistin Laura Himmelreich (29).

Sie hatte Brüderle darin vor einer Woche unangemessene Anzüglichkeiten vorgeworfen. Sätze, die Brüderle ihr gegenüber vor gut einem Jahr an der Hotelbar getätigt haben soll – Sätze wie: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“

Sprach bei der Begegnung mit der „Stern“-Reporterin – kein Wort zur Sexismus-Affäre: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.
Sprach bei der Begegnung mit der „Stern“-Reporterin – kein Wort zur Sexismus-Affäre: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.
Foto: dpa

10.39 Uhr: Die Überraschung: Laura Himmelreich kommt. Begleitet von einem „Stern“-Kollegen setzt sie sich drei Meter neben Brüderles Platz.

10.49 Uhr: Der FDP-Fraktionschef kommt rein. Normalerweise schüttelt er jedem Einzelnen die Hand. Heute geht Brüderle geradewegs zu seinem Stuhl. Himmelreich, die ihn anschaut, würdigt er keines Blickes. Er wirkt angespannt, nestelt an einer Kaffeesahne-Dose, beginnt mit einer Ansage: „Ich weiß, dass Sie heute besonders ein Thema interessiert. Ich habe mich bisher nicht dazu geäußert. Ich werde es auch weiterhin nicht tun.“

Dann referiert Brüderle über die Themen der Woche: Mursi-Besuch, Mali, Rente, Zypern und so weiter. Doch die meisten im Raum interessiert nur eins: Warum, Herr Brüderle, entschuldigen Sie sich nicht bei Frau Himmelreich? Brüderle bleibt auch auf mehrfache Nachfrage dabei: „Kein Kommentar. Ich bitte einfach, meine persönliche Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen.“

Nur ein einziger Gedanke zum Thema kommt ihm – etwas hölzern – über die Lippen: „Sexismus ist eine Debatte, die läuft, die eine gesellschaftliche Relevanz hat.“ Und: „Dass Debatten in der Demokratie geführt werden, ist ein legitimes und richtiges Phänomen.“

Nach einer knappen Stunde steht Brüderle auf. Nachdem Laura Himmelreich den Raum verlassen hat, geht er zum Aufzug.

Um 11.59 Uhr nimmt Brüderle in der ersten Reihe des Bundestags Platz. Zur Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Auf der Tribüne sitzen knapp 20 Journalisten.

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