Sie ist Politologin, sitzt im Bundesvorstand der Piraten. Auf dem Klappentext ihres ersten Buches nennt sich Julia Schramm vollmundig „Provokateurin, Privilegienmuschi und Feministin“. Der Titel „Klick mich – Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin“. Den sehr intimen Sex-Passagen verdankt sie längst einen neuen Titel: Schramm löst Parteikollegin Birgit Rydlewski aus Dortmund (die Dame mit der Sex-Twitterei) als neue „Porno-Piratin“ ab.
„Ich will durchaus Menschen beim Sex beobachten, die Spaß mit-, an- und ineinander haben“, lässt die hübsche 26-Jährige die Leser ihres neuen Buches wissen. Ebenso, dass sie nicht sonderlich schockiert sei von „Frauen, die an inneren Blutungen sterben, weil sie Sex mit einem Pferd haben wollen“.
Dabei geht es in ihrem Buch („Klick mich“, Knaus-Verlag, 150 S., 16,99 Euro) eigentlich vorrangig um ihr Verhältnis zum Internet: Das bedeutet für die Piraten-Politikerin nach eigener Aussage nämlich die totale Freiheit. Die Möglichkeit, unzählige eigene Identitäten zu erschaffen – aber auch „den totalen Kontrollverlust“. Den findet sie gut.
Ob die Leser das auch finden, sei dahingestellt – erste Buchrezensionen fielen vernichtend aus. Aber dass Jungautorin Schramm das unkontrollierbare Netz nicht in allen Aspekten gutheißt, zeigte sich recht schnell – als ein User aus den USA das Werk am Erscheinungstag zum kostenlosen Download online stellte. Schramm und ihr Verlag gingen sofort rechtlich dagegen vor.
Die Reaktion folgte prompt. Auf der US-Download-Webseite findet sich nun ein Zitat aus dem Parteiprogramm der Piraten: „Daher fordern wir, das nicht kommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern.“
Scheinheilig wirkt da Piratin Schramm, die angeblich laut „FAZ“ 100.000 Euro Vorschuss für das Werk erhalten haben soll – und das vorher stets scharf kritisierte Recht am geistigen Eigentum plötzlich ganz gut findet. „Geistiges Eigentum ekelhaft – außer bei uns“, lästert der Bundestagsabgeordnete Sven Kindler (Grüne). Auch FDP-Netzpolitiker Sebastian Blumenthal beklagt die Schere zwischen „Anspruch und Wirklichkeit“. Sein Rat: „Bitte starten Sie Ihr System neu!“