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Röttgen-Rauswurf: Angela Merkel, die eiskalte Kanzlerin

Machtbewusst: Kanzlerin Angela Merkel  sorgte mit der Entlassung Röttgens  für einen Überraschungscoup.
Machtbewusst: Kanzlerin Angela Merkel sorgte mit der Entlassung Röttgens für einen Überraschungscoup.
 Foto: dpa

6500 Einwohner hat Stieldorf, der kleine Stadtteil im Norden von Königswinter bei Bonn. Der prominenteste von ihnen hat sich hierhin seit Mittwochnachmittag zurückgezogen. Norbert Röttgen (46) ist aus Berlin geflüchtet – bloß weg. Weg von seiner einstigen Chefin, der Kanzlerin.

Der Tag nach dem Hammer-Rauswurf: Mindestens zwei Mal hatte Merkel ihrem Umweltminister die Pistole auf die Brust gesetzt. Die eiskalte Botschaft: Entweder wirfst du selbst hin oder ich schmeiße dich raus!

 Der neue Umweltminister Peter Altmaier, ein enger  Vertrauter der Kanzlerin, soll nun  für Merkel  in Sachen Energie die Wende schaffen.
Der neue Umweltminister Peter Altmaier, ein enger Vertrauter der Kanzlerin, soll nun für Merkel in Sachen Energie die Wende schaffen.
 Foto: dpa

Vielleicht hatte Röttgen geglaubt, dass Merkel das nicht durchzieht. Doch nach der Sitzung des Kabinetts machte sie Ernst. Röttgen, Verlierer der NRW-Wahl, muss gehen. Nachfolger wird Peter Altmaier (53).

Die Reaktionen sind gespalten. „Immerhin hat sie gezeigt, dass sie doch führt und brutale Entscheidungen treffen kann, wenn es darauf ankommt“, so ein Mitglied der CDU-Spitze. Auch Fraktionschef Volker Kauder dürfte mit Merkels erstem Rauswurf in sieben Amtsjahren zufrieden sein, wird er gar als treibende Kraft vermutet.

Kauder gilt als Röttgens Widersacher, seit dieser 2009 versucht hatte, ihn als Fraktionschef zu stürzen.
Doch es hagelt auch Kritik. „So darf man in einer Partei mit dem C im Namen nicht miteinander umgehen“, sagt der CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel. „Ich hätte ihm im Amt eine zweite Chance gegönnt“, findet Innenexperte Wolfgang Bosbach (CDU). „Ein bisschen mehr Menschlichkeit würde uns ganz gut anstehen.“

Letztes Exil in Königswinter bei Bonn: Ex-Minister, Ex-NRW-Spitzenkandidat Norbert Röttgen
Letztes Exil in Königswinter bei Bonn: Ex-Minister, Ex-NRW-Spitzenkandidat Norbert Röttgen
 Foto: dpa

Die Publizistin Prof. Gertrud Höhler sprach in der ARD-Sendung „Anne Will“ von einem „multifunktionalen Rundumschlag“ , mit dem Röttgen allein die Schuld am NRW-Desaster zugeschoben werden solle. Höhler: „Sie hat diesen Mann benutzt wie viele andere vor ihm.“ Wann Röttgen offiziell entlassen und Peter Altmaier ernannt wird, ist noch offen. Bundespräsident Joachim Gauck hat sich in den Urlaub nach Italien verabschiedet. Sollte es also ganz schnell gehen müssen, müsste Gaucks Stellvertreter, der Bundesratspräsident, Röttgen verabschieden.

Das ist derzeit CSU-Chef Horst Seehofer – ausgerechnet Seehofer, der am Montag mit dem schon jetzt legendären ZDF-Interview zur Attacke auf Röttgen geblasen hatte…

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