Panikmache, Hamsterkäufe, Geldflucht

Das Geschäft mit der Angst

Von DIRK J. ANDRESEN
Die Griechen sollen über das Sparpaket abstimmen
Die Griechen sollen über das Sparpaket abstimmen
Foto: dpa

Die Angst geht um in Deutschland. Angst vor den Folgen der Euro-Krise. 82 Prozent der Bevölkerung sind überzeugt, dass „der schlimmste Teil der Krise noch bevorsteht“. Das Geschäft mit der Angst boomt. Wer profitiert von der wachsenden Panik?

Dubiose Krisengewinnler: Speziell im Internet bereitet das Euro-Chaos den Boden für fragwürdige Geschäfte. So bieten Online-Shops wie „SeguRisk“ eine „praktische Krisenabsicherung“.

Der Renner sind Lebensmittel, die 15 Jahre haltbar sind: Dosenbrot, Milchpulver, Dinkelflocken. Firmen-Chef Hendrik Weiland auf „NDR-Info“: „Das Anliegen ist, im Keller einen Vorrat zu haben, wo man nicht alle paar Wochen überlegen muss: Ist das noch haltbar? Unser zweites Standbein sind Wasserfilter, mit denen Sie zum Beispiel an eine Pfütze gehen können und daraus Trinkwasser auspumpen.“

Auch Shops wie „Krisenfee“, „Innova“ oder „Krisenvorsorge.com“ machen im Web steigende Profite. Um diese zu maximieren, werden bewusst Ängste geschürt. „Sobald die Kanzlerin ihre öffentliche Rede gehalten hat, wird eine allgemeine Panik ausbrechen. Supermärkte werden in wenigen Tagen, vielleicht Stunden ausverkauft sein. Es wird keinen Nachschub geben“, heißt es auf der Krisenfee-Seite.

Dazu Frank Roselieb, Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel: „Es gibt dieses Geschäft mit der Angst. In den USA machten nach 9/11 Online-Shops Rekordgewinne, die Fallschirme für Sprünge aus Hochhäusern vertrieben.“

Andere Krisengewinnler: Der drohende Euro-Crash beschert Maklern, Handwerkern, Juwelieren boomende Umsätze. Der Kauf von Eigentumswohnungen stieg im Vergleich zu 2010 um bis zu 30 Prozent. Küchen und Bäder werden in Rekordzeit renoviert.

Der Verkauf von Gold- und Silberschmuck legte um bis zu 60 Prozent zu. Roselieb: „Diese Flucht in Sachwerte ist irrational. In Krisenzeiten kann man sich von diesen Werten nichts kaufen. Ich rate, ruhig zu bleiben.“

Das Ausland als Krisengewinnler: Viele Deutsche halten offenbar die Geldflucht ins Ausland für die richtige Strategie. Krisenforscher Roselieb: „Wir beobachten deutlich wachsende Zahlungsströme in europäische Länder wie Norwegen und die Schweiz, die nicht zur Euro-Zone gehören. Dorthin soll das Geld in Sicherheit gebracht werden.“

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Datum:  4.11.2011
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