Die gute Nachricht: Die Deutschen werden immer älter. Alle Deutschen? Nein! Die Lebenserwartung von Menschen mit niedrigen Einkommen ist im vergangenen Jahrzehnt sogar gesunken – um volle zwei Jahre!
Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst kontinuierlich: Schufteten 1996 nur 16 Prozent der Beschäftigten für Dumpinglöhne, so sind es derzeit etwa 24 Prozent. Mit fatalen Folgen für die Gesundheit.
Denn während die Lebenserwartung der Bundesbürger insgesamt wächst (auf derzeit 82,8 Jahre), ist sie bei Arbeitnehmern mit geringem Einkommen in den zurückliegenden zehn Jahren gesunken.
Und wurden Arbeitnehmer mit geringem Einkommen 2001 noch durchschnittlich 77,5 Jahre alt, waren es 2010 nur noch 75,5 Jahre. Das berichtet die „Saarbrücker Zeitung“ unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Linksfraktion. Im Osten war die Entwicklung noch drastischer. Hier sank die Lebenserwartung von 77,9 auf 74,1 Jahre.
Für den Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge von der Uni Köln ist das eine fatale Folge der auf Lohndumping zielenden Politik. „Grundsätzlich sterben Arme früher“, so Butterwegge.
„Doch der systematische Ausbau des Niedriglohnsektors führt dazu, dass die Menschen ungesünder leben – sie haben Angst, schlafen schlechter, psychosoziale Probleme nehmen zu.“
Butterwegge fordert ein Gegensteuern: „Ein allgemeiner, gesetzlicher Mindestlohn und die Umkehr beim politisch forcierten Ausbau des Lohndumpings.“ Als „niedrig“ gilt ein Bruttolohn per Definition, wenn er selbst aus Vollzeitbeschäftigung nicht ausreicht, um die Existenz zu sichern – in Deutschland fallen Löhne zwischen 4,50 und 6,50 Euro darunter.
Die beschlossene Erhöhung des Renteneintrittsalters sowie die jetzt bestätigte geringere Lebenserwartung führen dazu, dass sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von Geringverdienern künftig um rund sechs Jahre verkürzen wird, ließ jetzt Matthias W. Birkwald errechnen, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion der Linkspartei.
„Das ist Sozialpolitik mit dem Hackebeil“, kritisiert der Politiker. Hintergrund: Am 1. Januar 2012 beginnt der schrittweise Einstieg in die Rente mit 67, der 2031 abgeschlossen sein wird.