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Nach Gedicht: Einreiseverbot! Grass darf nicht mehr nach Israel

Darf nicht mehr nach Israel reisen: Günter Grass, Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur
Darf nicht mehr nach Israel reisen: Günter Grass, Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur
 Foto: dapd

Israel reagiert auf das umstrittene Gedicht von Günter Grass: Das Innenministerium hat ein Einreiseverbot gegen den Literaturnobelpreisträger verhängt!

Wenn Grass "weiter seine verdrehten und lügnerischen Werke verbreiten will, schlage ich vor, er macht das vom Iran aus", sagte Israels Innenminister Eli Jischai am Sonntag. Dort würde er ein gewogenes Publikum finden.

Bei dem Einreiseverbot gegen den deutschen Schriftsteller griff der Minister auf ein Gesetz zurück, dass es der Regierung erlaubt, ehemaligen Nazis die Einreise ins Land zu verweigern: Grass hatte zugegeben, am Ende des Zweiten Weltkrieges in der Waffen-SS gedient zu haben.

Vor der Verhängung des Einreiseverbots hatte sich schon der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu empört über Grass' Gedicht "Was gesagt werden muss" (unten) geäußert: Netanjahu sagte, Grass würde Israel und Iran auf eine Stufe stellen.

In seinem Gedicht hatte Günter Grass Israel als Gefahr für den Weltfrieden bezeichnet - und war dafür heftig kritisiert worden: Nazi-Jägerin Beate Karlsfeld hatte das Gedicht etwa in eine Reihe mit einer Hitler-Rede gestellt, der US-Autor Daniel Jonah Goldhaben schrieb: "Grass führt die Perversion – die Verkehrung von Opfern zu Tätern – auf ein neues Niveau".

Grass selbst sagte, dass er sein Gedicht auf keinen Fall widerrufen werde. Auf Antisemitismus-Vorwürfe reagierte der Schriftsteller empört.

Wir dokumentieren Günter Grass' Gedicht im Wortlaut:

„Was gesagt werden muss“ von Günther Grass

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?


Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er mißachtet wird;
das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig.


Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muß.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muß,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir - als Deutsche belastet genug -
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.

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