Marke hat keine Zukunft mehr

Schlecker-Familie: „Wir sind ruiniert!“

Die Bildmontage zeigt Anton Schlecker (2.v.l.), Gründer der Schlecker-Drogeriekette, mit seiner Ehefrau Christa und seinen Kindern Lars (ganz li.) und Meike (ganz re.).
Die Bildmontage zeigt Anton Schlecker (2.v.l.), Gründer der Schlecker-Drogeriekette, mit seiner Ehefrau Christa und seinen Kindern Lars (ganz li.) und Meike (ganz re.).
Foto: dapd

Einst war er der unangefochtene Drogerieketten-König. Gefeierter Unternehmer. Self-made-Milliardär mit einem Vermögen von 1,95 Milliarden Euro noch voriges Jahr. Aus und vorbei! Heute ist Anton Schlecker (67) ruiniert – und mit ihm seine Familie!

Meike Schlecker (38), Tochter des Drogerieketten-Gründers Anton Schlecker, war ungehalten. „Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da!“, raunzte die Unternehmerin eine Journalistin an. Die Reporterin hatte es gewagt, auf der ersten Pressekonferenz der Schleckers seit fast 20 Jahren zu fragen, ob die Familie noch größere Privatvermögen besäße – trotz der Insolvenz ihres Unternehmens. „Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen“, behauptet Meike Schlecker.

Und: Die Familien-Dynastie habe in den vergangenen Jahren aus eigener Kasse einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen gepumpt, um die Restrukturierung voranzubringen. Dass die Schleckers jetzt mit ihren Privatvermögen für die Pleite haften, habe mit der Rechtsform des Unternehmens („eingetragener Kaufmann“) zu tun, so Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Für die etwa 30.000 Angestellten gab es Montag eine positive Nachricht: Gläubiger beliefern die Handelskette weiter, sodass der Betrieb aufrechterhalten werden kann. Welche Teile aber auf Dauer gerettet überhaupt werden können, ist unklar.

Der Markenname „Schlecker“ hat jedenfalls keine Zukunft mehr, glauben Experten. „Miese Arbeitsbedingungen bis hin zur Mitarbeiterbespitzelung und fehlende Transparenz haben ein Negativ-Image zementiert“, sagt Michael von Bach von der Werbeagentur „Jung von Matt“. Dieses habe auch mit zur Pleite beigetragen: „Als Schlecker groß wurde, hatten Konsumenten keine Alternative. Da war das Image fast egal. Heute sind die Kunden aufgeklärter – und gehen im Zweifel zur Konkurrenz.“ Was also tun? Von Bach: „Neben einer völlig neuen Unternehmenskultur müsste sich Schlecker für seine Filialen wohl auch einen neuen Namen zulegen. »Ihr Platz«, das auch zum Unternehmen gehört, wäre vergleichsweise unbelastet.“

Doch aktuell droht neuer Ärger: Schlecker-Gutscheine lassen sich momentan nicht mehr einlösen. Ein technisches Problem, das bald behoben sein wird, hieß es.

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Datum:  30.1.2012
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