Er ist leidenschaftlicher St.-Pauli-Fan, trägt auch bei 30 Grad schwarze Lederstiefel, versteht sich bestens mit den Grünen und soll die Hamburger CDU retten: Marcus Weinberg. In der ersten Mitgliederbefragung ihrer Geschichte hat ihn die Partei als neuen Vorsitzenden nominiert.
Der 44-Jährige mit dem bulligen Körperbau wirkt dabei so gar nicht konservativ. Er hat einen kleinen Sohn und eine Freundin, ist aber nicht verheiratet. Er war erster Vorkämpfer der in der CDU verhassten Primarschule. Die Grünen lieben ihn bis heute. Statt Mercedes fährt er lieber Vespa. Und wenn Marcus Weinberg im Freizeitlook durch seine Heimat Altona schlendert, ist er kaum wiederzuerkennen.
Andererseits: Nach dem Abitur 1987 ging er erst mal vier Jahre zur Panzerartillerie in Rahlstedt. 1989 trat er in die CDU ein. 2001 schaffte es Weinberg in die Bürgerschaft, wo er bis zum Vize-Fraktionschef aufstieg. 2005 hängte der Protestant seinen Lehrer-Job an der katholischen „St. Bonifatius Haupt- und Realschule“ in Wilhelmsburg an den Nagel und ging in den Bundestag. „Ein Leben in Gegensätzen“, beschreibt Weinberg das selbst.
Auf der Elbinsel verliebte er sich auch in seine jetzige Partnerin. Die Familie wohnt in Altona, wo Weinberg auch aufwuchs.
41 Prozent der 8950 CDU-Mitglieder machten bei der Abstimmung mit. Weinberg erhielt 36,1 Prozent der Stimmen, auf Platz zwei landete Karin Prien (27 Prozent). Am 15. Juni wird ein Parteitag das Votum bestätigen, Prien ist als Stellvertreterin im Gespräch.
Weinberg hatte nach der verheerenden Bürgerschaftswahl eine Mitgliederbefragung gefordert. „Der Prozess ist ein positives Signal und zeigt, dass sich die CDU verändert, öffnet und in Hamburg präsent ist“, sagte er am Sonntag.
Auch in Zukunft sollen die Mitglieder stärker beteiligt werden. Wie er die Partei wieder zum Erfolg führen will, will Weinberg auf dem Parteitag erläutern. Mit ihrer Wahl haben sich die Mitglieder aber deutlich für einen Vertreter des liberalen Parteiflügels entschieden, der sich für Nachhaltigkeit, Integration und Bildungsgerechtigkeit einsetzt. Die CDU strebt wieder in die Mitte der Gesellschaft.
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