„Überholt, ungerecht und verzichtbar“: Die Linkspartei fordert die Abschaffung der Ehe. Der „schönste Tag des Lebens“ soll auf dem Müllhaufen der Geschichte landen. Stattdessen sollte jede Lebensgemeinschaft – ob nun hetero- oder homosexuell, ob Patchwork- oder Bedarfsgemeinschaft – ohne formalen Akt vom Staat gleichberechtigt behandelt werden.
„Es gibt für viele Lebensgemeinschaften die gleichen Pflichten, aber nicht für alle die gleichen Rechte“, argumentiert die Abgeordnete der Linkspartei Kersten Artus. So würden Menschen, die Hartz IV beziehen und zusammen leben als Bedarfsgemeinschaft geführt und gemeinsam veranlagt. „Der eine muss im Falle von Arbeitslosigkeit für den anderen zahlen. Doch Rechte werden ihnen nicht zugebilligt“, so Artus.
Mit Blick auf das aktuelle zehnjährige Jubiläum der eingetragenen Lebenspartnerschaften Homosexueller sagt sie: „Damit wurde viel für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen erreicht. Für alle anderen Lebensgemeinschaften aber nicht.“
Artus, die selbst seit 1987 verheiratet ist und im kommenden Jahr ihre Silberhochzeit feiert, meint: „Ich kann die Eheschließung aus romantischen Gründen nachvollziehen. Aber die Ehe ist kein Hort der Gleichberechtigung.“ Sie habe ihren Mann aus eher praktischen Gründen geheiratet, um Vorteile zu erzielen, die ohne Eheschließung nicht möglich gewesen wären. „Ich liebe meinen Mann sehr, aber ich habe ihn nicht aus Liebe geheiratet, sondern damit er Erziehungsurlaub nehmen konnte.“
Die Gesellschaft müsse dem Wandel der Zeit entsprechend eine andere Form der Anerkennung von Lebensgemeinschaften finden. „Die Institution der Ehe als sogenannte Keimzelle der Gesellschaft wird dem nicht mehr gerecht. Sie ist überholt“, meint Artus.
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