Ein Student, der ein billiges Zimmer braucht, wendet sich ans Studentenwerk. Aber was macht ein Azubi? In Hamburg steht jetzt das erste Auszubildendenwerk Deutschlands vor der Gründung. Spätestens 2012 soll ein erstes Wohnheim mit preisgünstigen Zimmern eröffnet werden.
Der Mangel an billigen Wohnungen ist ein Riesenproblem für Azubis – vor allem für die, die von auswärts kommen und nicht zu Hause wohnen können. Ein angehender Maler beispielsweise verdient gerade mal 350 Euro! Davon noch Miete zahlen? Wie soll das gehen?
Ein Studentenwerk für Auszubildende – es war Olaf Schwede (30), Landesjugendsekretär des DGB, der auf diese Idee kam. Einen Trägerverein gibt es schon und mit dem 28-jährigen Patrick Fronczek auch einen Geschäftsführer. Vor allem aber: Investoren sind gefunden, die das Wohnheim mit 500 Plätzen finanzieren.
Ob bei Gewerkschaften, Handwerks- oder Handelskammer – überall findet Schwede Zustimmung. Schon heute sei der Bedarf an Auszubildenden mit Bewerbern aus Hamburg nicht zu decken. „Und wenn wir noch mehr Auswärtige gewinnen wollen“, sagt der Unternehmer Volker Enkerts, „dann müssen wir attraktiven Wohnraum zur Verfügung stellen.“
Vor allem diejenigen sind begeistert, die es am meisten angeht: Azubis. Bianka Ott (19), die bei Beiersdorf zur Kauffrau für Bürokommunikation ausgebildet wird, stammt von Rügen, zahlt für ihr Zimmer in Hamburg 450 Euro warm, hat aber nur 600 Euro netto zur Verfügung. „Ohne Eltern würde das nicht gehen“, sagt sie.
Im Wohnheim des Azubiwerks würde sie rund 200 Euro zahlen. Denn die Miete wird sozial gestaffelt sein und soll nicht mehr als ein Drittel des Einkommens ausmachen. Dafür erhalten die Bewohner ein Zimmer in einer WG – haben also sofort Anschluss. Und eine pädagogische Betreuung soll es auch geben – schließlich sind viele erst 15, 16 Jahre alt.
Wo es nun sein wird, das Wohnheim, das ist noch ein Geheimnis. Jedenfalls soll es in Mitte angesiedelt sein. „Wenn wir uns dafür entscheiden, neu zu bauen, statt zu kaufen“, sagt Schwede, „wird es wohl 2012 werden.“
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