Eine Gruppe von Amerikanern steht unter Beobachtung: Wer lebt wie lange, wer stirbt zuerst? Je früher es Tote gibt, desto mehr Geld kassieren Spekulanten.
Es klingt wie die perfide Handlung eines Horrorfilms – ist aber ein real existierender Fonds der Deutschen Bank. Das Geldinstitut bietet diese Todeswetten seit Jahren an, jetzt hat sich der Bankenverband eingeschaltet: Er lässt das makabere Spiel überprüfen.
„Kompass Life 3“ heißt der umstrittene Lebensversicherungsfonds, in den Kleinanleger laut „Spiegel“ über 200 Millionen Euro gesteckt haben. Und so funktioniert er: Die Deutsche Bank erhält über eine Zwischenfirma anonymisierte Gesundheitsdaten von rund 500 US-Amerikanern zwischen 72 und 85 Jahren.
Je nach Lebensdauer steigt die Rendite
Statistiker haben die Todeswahrscheinlichkeit der „Referenz-Personen“ berechnet, anhand von durchschnittlichen Lebenserwartungen kalkulierten die Banker entsprechende Renditen. Die Senioren-Gruppe wird regelmäßig kontaktiert, von ihrem Überleben hängt ab, wie viel die Anleger kassieren.
Ein Rechenbeispiel: Leben die Personen durchschnittlich zwölf Monate länger als die Gutachter geschätzt haben, bekommen die Anleger eine Rendite von ca. 8,45 Prozent. Leben sie allerdings 24 Monate länger, gibt's nur 3 Prozent.
Das Geschäftsmodell startete bereits 2007, provozierte schon damals harte Kritik. Viele Anleger zogen vor Gericht, weil sie angeblich nicht wussten, auf welch morbides Investment sie sich einließen. Die Deutsche Bank weist diese Vorwürfe zurück.
Was sagt die Deutsche Bank dazu?
Jetzt könnte es allerdings eng für das Geldinstitut werden, nach „Spiegel“-Informationen schaltete sich der Bankenverband ein: „Kompass Life 3“ sei mit deren Wertordnung und der Unantastbarkeit der menschlichen Würde nicht vereinbar. Ein Gericht müsse nun entscheiden, ob die Wette auf den Tod gegen Verhaltensverbote verstoße, heißt es von der Ombudsstelle des Bankenverbands.
Was sagt die Deutsche Bank selbst zu diesen Vorwürfen? Wir haben nachgefragt: „Einschätzungen des Ombudsmanns werden grundsätzlich nicht kommentiert“, sagt Sprecherin Anke Veil. „Außerdem liegt bislang keine Entscheidung des Bankenverbands vor.“ Aber verstößt dieser Fonds nicht gegen die ethischen Richtlinien der Deutschen Bank? Auch dazu heißt es nur: „Kein Kommentar.“