Vereinsamt, betrogen, verachtet

Hannelore Kohl: So litt die Kanzler-Gattin

Eine der ständigen Galas im Leben des Bundeskanzlers: Hannelore und Helmut Kohl
Eine der ständigen Galas im Leben des Bundeskanzlers: Hannelore und Helmut Kohl
Foto: dpa

Vor Kurzem erschien die Autobiografie von Walter Kohl, in der er gnadenlos mit seinem Vater, dem Altkanzler, abrechnete.

Jetzt wurde die Biografie seiner Mutter Hannelore vorgelegt, die am 5. Juli 2001 mit 68 Jahren Selbstmord beging. Auch hier kommt Helmut Kohl alles andere als gut weg.

Es ist die Geschichte unendlichen Leids, eines schweren Lebens, das Hannelore Kohl, geborene Renner, mit Demut ertrug. Als Zwölfjährige wurde sie 1945 von russischen Soldaten aufgegriffen, mehrfach vergewaltigt und dann aus dem Fenster geworfen.

So steht es in dem Buch von Heribert Schwan „Die Frau an seiner Seite: Leben und Leiden der Hannelore Kohl“ (Heyne Verlag, 19,99 Euro). Dem WDR-Mann hatte sich die Kanzlergattin anvertraut, ihm intimste Sachen erzählt. Der „Spiegel“ veröffentlichte sie nun in Auszügen.

CDU und Politik: Sie mochte die Politik nie. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie ich das alles hasse.“ Von Kohls Entschluss, 1998 noch mal zur Kanzlerwahl anzutreten, erfuhr Hannelore Kohl aus dem Fernsehen.

Der Urlaub: Alles nur inszeniert am Wolfgangsee. Fotos – und dann stürzte sich Kohl wieder in die Arbeit. Hannelore Kohl hasste die Zeit in Österreich, sie wollte immer weiter in den Süden, wo wenigstens das Wetter schön ist.

Kohls Affären: Getuschel um Kohls Büroleiterin Juliane Weber gab es immer. Als Kohl mit ihr eine gemeinsame Wohnung in Bonn mietete, erfuhr es auch Hannelore Kohl. Diese Wohngemeinschaft wurde selbst Hanns Martin Schleyer, dem später ermordeten Arbeitgeberpräsidenten, zu viel.

Der fuhr Kohl an: „Das Zigeunerlager muss weg, einschließlich der Marketenderin!“ Auch, dass Kohls jetzige Ehefrau, Maike Richter, oft im Kanzleramt war, erfuhr die Ehefrau.

Die Spendenaffäre: Hannelore konnte es nicht fassen, dass ihr Mann die Spender verschwieg. Trotzdem bettelte sie am Telefon um Geld, als die CDU 6,3 Millionen Mark Strafe bezahlen musste.

Ihre Krankheit: 1993 erhielt sie Antibiotika, reagierte allergisch. Hannelore Kohl kämpfte mit dem Tod. Nägel und Haare fielen ihr aus, eine Lichtallergie kam hinzu. Hannelore Kohl konnte am Schluss nur noch im dunklen Haus sitzen.

Das Ende: Sie konnte die unendlichen Schmerzen nicht mehr ertragen. Vor ihrem Selbstmord schrieb sie 20 Abschiedsbriefe. Gewissenhaft bis kurz vor ihrem Tod. Dann nahm sie Schlaftabletten und Morphinsulfat. Am Vormittag des 5. Juli 2001 fand die Haushälterin Hildegard Seeber die tote Hannelore Kohl im Bett des ehemaligen Kanzlerbungalows in Ludwigshafen.

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Datum:  11.6.2011
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