Glaeseker-Büro

Razzia im Präsidialamt

Hausdurchsuchung bei Christian Wulff. Links: Sein Ex-Sprecher Glaeseker.
Hausdurchsuchung bei Christian Wulff. Links: Sein Ex-Sprecher Glaeseker.
Foto: dapd

Das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch nicht gegeben: Erstmals überhaupt ermittelt die Justiz im unmittelbaren Umfeld des Bundespräsidenten – Razzia beim Staatsoberhaupt.

Ein Staatsanwalt und mehrere Ermittler durchsuchten im Bundespräsidialamt das Büro des langjährigen Vertrauten und Ex-Sprechers von Christian Wulff, Olaf Glaeseker.

Glaesekers Diensträume im Bundespräsidialamt wurden von der Staatsanwaltschaft Hannover durchsucht.
Glaesekers Diensträume im Bundespräsidialamt wurden von der Staatsanwaltschaft Hannover durchsucht.
Foto: dpa

„Wir haben Unterlagen und Computerdateien beschlagnahmt, die jetzt ausgewertet werden müssen“, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover die Durchsuchung gegenüber der „BamS“.

Gegen Glaeseker wird wegen des „Verdachts der Bestechlichkeit“ ermittelt. Er soll bei der Sponsoren-Suche für die umstrittene Veranstaltungsreihe „Nord-Süd-Dialog“ dienstliche, wirtschaftliche und private Interessen dreist verquickt haben, machte mehrfach Gratisurlaub in Domizilen des Eventmanagers Manfred Schmidt.

Olaf Glaeseker: Gegen den ehemaligen Sprecher und engen Vertrauten von Bundespräsident Christian Wulff wird ermittelt.
Olaf Glaeseker: Gegen den ehemaligen Sprecher und engen Vertrauten von Bundespräsident Christian Wulff wird ermittelt.
Foto: dapd

Außerdem brisant: Das Präsidialamt – und damit Wulff – gehen immer pikierter auf Distanz zum ehemaligen Wulff-Adlatus Glaeseker. Neuerdings wird dem Geschassten sogar der Zugang zum Präsidialamt verweigert, er wurde an der Pforte abgewiesen.

Begründung: Glaeseker habe Hausverbot. Eine Präsidialamts-Sprecherin: „Mit Blick auf Ermittlungsinteressen der Staatsanwaltschaft ist es derzeit nicht möglich, dass er sein Büro ausräumt.“

Inzwischen hat übrigens Partymanager Schmidt zugegeben, dass die niedersächsische Staatskanzlei ihm zu Wulffs Zeiten als Ministerpräsident bei der Suche nach Geldgebern half: „Es müssen ja mal Kontakte hergestellt werden.“

Laut Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim hat Wulff bei einem Rücktritt wegen der Vorwürfe um Billig-Kredite und Gratis-Urlaube entgegen bisherigen Behauptungen keinen Anspruch auf eine Präsidentenpension in Höhe von 200.000 Euro jährlich.

Gar keine guten Nachrichten für den schwer angeschlagenen Bundespräsidenten. Denn: Seine Pension als Ministerpräsident von Niedersachsen würde Christian Wulff (52) erst ab dem 60. Lebensjahr erhalten.

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Datum:  29.1.2012
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