Sie waren gern Gast beim Exzentriker und Hobbypoeten, ließen sich Tee in seinem Zelt in der Libyschen Wüste reichen.
Ob Altkanzler Gerhard Schröder oder Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi. Viele waren Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi stets gern zu Diensten.
Wegen Gas und Öl, aber auch wegen drohender Flüchtlingsströme und im Kampf gegen den Terrorismus. Wir zeigen die Verstrickungen mit Gaddafi.
Freund Gerhard Schröder: Noch vor Jahren scherzten die beiden bei Gaddafi im Zelt – der Despot im Beduinengewand und Schröder mit gestreifter Krawatte. Im November 2010 erst warb der Altkanzler (SPD) in Libyen um die „wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen“, so „Focus“.
Warum? Schröder ist Aufsichtsratschef des russischen Gaskonzerns Gazprom, der wiederum auf das Gas und Öl aus dem Wüstenstaat schielt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt ...
Doch auch vorher schon war Gaddafi bei Deutschlands Politikern beliebt. Neben Öl und Gas erhoffte man sich Schutz vor afrikanischen Flüchtlingen und islamistischen Terroristen.
Gastgeber Horst Köhler Die zuckerkranke Frau Gaddafis und ihre Tochter sollen oft in Deutschland gewesen sein – 2007 und 2008 hätten sie Limousinen aus dem Fuhrpark von Ex-Bundespräsident Horst Köhler nutzen dürfen, so „Focus“.
Amico Silvio Berlusconi: Er empfing den Diktator stets mit inniger Umarmung, ging gerade erst vor wenigen Tagen auf Distanz. Kein Wunder: Libyen besitzt 7,2 Prozent der größten italienischen Bank Unicredit, zwei Prozent des Rüstungskonzerns Finmeccanica und wohl zwei Prozent von Fiat, so der „Spiegel“. Auch der Fußballclub Juventus Turin ist zum Teil in libyscher Hand.
Wirtschafts-Freunde: Viele deutsche Firmen sind in Libyen involviert. Eine davon: Wintershall. Mehr als zwei Milliarden Dollar investierte der Konzern in der Wüste, betreibt dort acht Ölfelder. 2010 gingen zudem Waren im Wert von 3,1 Milliarden Euro von Libyen nach Deutschland – hauptsächlich Erdöl.
Gaddafis Tankstellen: Sie laufen meist unter dem Namen HEM, 395 gibt es allein in Deutschland, 2.800 sind es insgesamt in der EU. Kerngesellschaft ist die Oilinvest B.V. Rotterdam, die dem Staatsfonds Libyan Investment Authority gehört und damit stets Staatschef Gaddafi unterstand. 2009 verdiente er damit knapp 97 Millionen Euro.