130 Milliarden Euro? Aber nicht doch, das war gestern. Heute benötigt Griechenland bereits 145 Milliarden Euro, um dem Staatsbankrott zu entkommen. Nicht nur in Berlin verliert man die Geduld mit der Dauermisere der Hellenen – doch in Berlin kam man zuerst auf eine besonders radikale Lösung: Ein Geheimplan sieht vor, den Griechen die Kontrolle über ihre Finanzen wegzunehmen. Faktisch die völlige Entmündigung des Landes, sagen Kritiker.
Entsprechend deutlich fiel die Antwort aus Athens Regierungskreisen aus: „Es ist ausgeschlossen, dass wir das akzeptieren. Diese Kompetenzen fallen unter die nationale Souveränität.“
Doch genau die hat nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ ein Antrag der Deutschen bei der EU im Auge: Ein „Haushalts-Beauftragter“ soll in Athen die Finanzaufsicht übernehmen, die Griechen sollen „für einen bestimmten Zeitraum“ ihre Souveränität an die EU abtreten. Künftig würde Griechenlands Haushalt nicht mehr in Athen, sondern in Brüssel beschlossen.
Ob das beim Kassensturz überhaupt hilft, ist aber völlig offen: Ursache des dramatischen neuen 15-Milliarden-Haushaltsloches ist nämlich die Schwäche der griechischen Wirtschaft. Und die geht vor allem wegen des schon bestehenden drastischen EU-Spardiktats endgültig in die Knie.
Nach „Spiegel“-Informationen ist man in der Troika pessimistisch, ob Griechenland diese 15 Milliarden aus eigener Kraft zusammenbekommt. Ein bisschen mehr Optimismus verströmt der griechische Ministerpräsident Loukas Papademos: Sein Land habe bei den Reformen „viel mehr erreicht, als es manchmal aussieht“.
Doch bevor überhaupt neue EU-Gelder fließen, müssen die Griechen erst eine weitere Bedingung erfüllen: einen weitgehenden Schuldenschnitt der privaten Gläubiger, also der Fonds und Banken. Seit Wochen feilschen Griechen und Banker um einen Nachlass von bis zu 70 Prozent. Mit einer Woche Verspätung wird das Ergebnis an diesem Wochenende erwartet. „Große Fortschritte“ sehen die Griechen, „zähe Verhandlungen“ ärgern zugleich die Bankmanager.
Auf Konfrontationskurs geht in Deutschland vor allem Horst Seehofer. Keinen Cent mehr will der CSU-Chef nach Hellas überweisen: „Wenn die Griechen die Reformprogramme nicht umsetzen, kann es keine weiteren Hilfen geben.“ In der „Rheinischen Post“ drohte Seehofer unverhohlen: „Wenn Griechenland die erforderlichen Sanierungsschritte in der Euro-Zone nicht gehen kann, dann sollte das Land erkennen, dass es sich einen anderen Weg suchen muss.“ Auf gut Bayerisch: Griechen raus aus dem Euro.