Größenwahnsinnige Politiker, das Spiel um die Macht und ein Projekt, das zum Millionengrab wird. Das ist der Stoff von Wolfgang Schömels neuem Buch „Die große Verschwendung“.
Kommt Ihnen bekannt vor? Zwar spielt der Roman in Bremen – wo sich der Wirtschaftssenator Dr. Georg Glabrecht mit dem Großprojekt „Maritime Oper“ herumschlägt. Doch alles erinnert an die Elbphilharmonie.
Kein Wunder – ist der Autor doch Literaturreferent in der Hamburger Kulturbehörde. Und sogar das Buchcover zeigt das umstrittene Bauwerk.
Wolfgang Schömel: Nein. Mir geht es ja gerade um die zeitgeistige Gleichschaltung der Charaktere und der Sprache unter den politischen Spielern. Diese werden Sie überall in diesem Land finden. In der Wirtschaft und in der Politik – ebenso den Wahn der Event- und Promikultur um jeden Preis.
Es könnten sich viele auf den Schlips getreten fühlen. Aber die meisten werden die Fehler nur bei den anderen sehen. Außerdem ist das ja peinlich. Deswegen erkennt man sich lieber nicht oder gibt nicht zu, dass man an sich selbst erinnert wurde.
Klare Antwort: Selbstverständlich!
In vielen Gesprächen, die man abends auf Kulturveranstaltungen führt, bemerkt man eine Art Galgenhumor – häufig auch unter den Kollegen. Es herrscht weniger Wut, aber viel Spott.
Ich ganz persönlich stelle gern die Frage: Wie sähe die „Elphi“ in Manhattan aus? Oder in Frankfurt? Merken Sie etwas? Diese Vorstellung beeinflusst sofort das architektonische Urteil über den Bau. Natürlich: Die Computersimulation wirkte wie ein gelandetes Raumschiff vom Planet Eden, das uns das Licht und das Heil auf die Erde bringt. Zu Ihrer Frage: Als ein gründlich – zum Beispiel durch hauseigene Bauingenieure und Fachleute – beratener Politiker wäre ich gewiss das Abenteuer Elphi nicht eingegangen. Aber diese Fachleute sind ja von den Verwaltungen „outgesourct“ worden. Die Verwaltungen können viel leichter als früher von Investoren an der Nase herumgeführt werden.
Wir haben eine wirklich schlimme Knappheit des Geldes bei der öffentlichen Hand. Das ist Fakt. Was die Kultur angeht, fürchte ich als Fachreferent für Literatur und Autorenförderung seit Jahren, dass die künstlerische Szene, die in mühevoller Kleinarbeit in Hamburg erfolgreich aufgebaut wurde, zunehmend ausgetrocknet wird. Sie ist aber in jedem Fall viel wichtiger für diese Stadt und ihre Bewohner, ja sogar für ihre Wirtschaft, als jedes kulturelle Großprojekt und jede Promiveranstaltung.
Buch: „Die große Verschwendung“, Klett-Cotta, 260 Seiten, 19,95 Euro
Lesung: 1.3., Literaturhaus, 8 Euro
„Die große Verschwendung“, Klett-Cotta, 260 Seiten, 19,95 Euro
Dr. Georg Glabrecht ist Wirtschaftssenator von Bremen und bei den Grünen. Der 50-Jährige ist unglücklich mit seinem Leben: In seine Ehe ist schon seit Jahren Langeweile eingekehrt. Im Job ist er ein machtbesessener Karrieretyp, der seine Untergebenen nur mit Kürzeln anspricht. Glabrecht plagt der Kummer um sein größenwahnsinniges Projekt „Maritime Oper“, das in Bremen entstehen soll. Es wird zum Millionengrab. Seine Verzweiflung ertränkt er fast jeden Abend in Wein. Schließlich verliebt er sich in die junge Mitarbeiterin eines zwielichtigen Investors, mit dem er als Politiker gemeinsame Sache machen muss. Und auch privat spürt er mehr als deutlich die Verlockungen der internationalen Geldströme.
1.3., Literaturhaus, 8 Euro
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