Tankstellen kassieren E10-Strafzuschlag

Die Benzin-Bonzen – dreist wie nie!

Der Niederländer Peter Blauwhoff ist Chef der Deutschen Shell.
Der Niederländer Peter Blauwhoff ist Chef der Deutschen Shell.
Foto: dpa

Vergangene Woche war es noch eine Drohung. Jetzt steht fest: Die Mineralölkonzerne schlagen bereits einen „Straf-Obolus“ auf alle Benzinsorten drauf – weil Brüssel mit Strafzahlungen im Zusammenhang mit dem Ladenhüter E10 droht. Und Aral plant ein neues Provisionsmodell für Tankstellenpächter. Ziel: die Spritpreise langfristig hochzuhalten.

Derzeit wetteifern sie mit Börsenmaklern und Strom-Managern um das Image als „meistgehasste Wirtschaftsbosse“: Die Vorstandsvorsitzenden der drei großen Mineralöl-Konzerne (ExxonMobil, BP und Shell).

Gernot Kalkoffen, Vorstandschef der ExxonMobil Central Europe.
Gernot Kalkoffen, Vorstandschef der ExxonMobil Central Europe.
Foto: dpa

Und sie haben sich mächtig ins Zeug gelegt, das Rennen zu machen. So berichteten wir jüngst, BP-Europachef Uwe Franke drohe, die zu erwartenden Strafen wegen des schlechten Verkaufs des Ladenhüters E10 auf die Kunden abzuwälzen. Doch jetzt fanden Verbraucherschützer heraus, dass das längst Praxis ist.

So sollen Tankstellen bereits seit dem Frühjahr Superbenzin E5 teurer verkaufen, als angemessen wäre. „Durch jeden Liter herkömmlichen Superbenzins E5, der bei uns getankt wird, entsteht eine Fehlmenge, die es uns unmöglich macht, die geforderte Biokraftstoffquote zu erreichen“, so eine Sprecherin des Mineralölverbandes. Daher würden zwei bis drei Cent pro Liter aufgeschlagen.

Uwe Franke, Vorstandschef der BP Europa SE (auch Aral gehört dazu).
Uwe Franke, Vorstandschef der BP Europa SE (auch Aral gehört dazu).
Foto: dpa

Begründet wird das mit der Quotenvorgabe beim Biokraftstoff, die es zu erfüllen gilt. Weil aber der Verbraucher E10 meidet, wird die Quote nicht erfüllt. Zumindest glauben die Konzerne das, denn die dafür ausschlaggebende Statistik liegt erst im Frühjahr 2012 vor. Der Verdacht: hier wird ein Vorwand gesucht, um abzuzocken!

Dass dazu jedes Mittel recht ist, zeigt ein weiteres Beispiel: Aral (BP) plant ein neues Provisionsmodell für die Tankstellenpächter. Künftig sollen Pächter eine höhere Provision bekommen, wenn sie Benzin und Diesel über eine möglichst lange Zeit teuer verkaufen. „Eigentlich sollte man meinen, das genug verdient wird“, so der ADAC-Experte Jürgen Albrecht uns gegenüber. Allein Shell verdoppelte im zweiten Quartal 2011 den Gewinn auf fast sechs Milliarden Euro. Worauf es ankommt, so Albrecht, sei „ein funktionierender Preiswettbewerb“.

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Datum:  29.8.2011
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