Alarmierend!

Deutschland gehen die Kinder aus

Von CHRISTIAN WIERMER UND DIRK AMARELL
Liebt Deutschland die Kinder nicht mehr? Immer weniger Mädchen und Jungen leben hier.
Liebt Deutschland die Kinder nicht mehr? Immer weniger Mädchen und Jungen leben hier.
Foto: IMAGO

Das Leuchten in den Augen eines Babys, das Glück, das Kinder Eltern schenken. Das scheint den Deutschen immer weniger wert zu sein. „Deutschland ist das kinderärmste Land Europas“, resümierte Mittwoch Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Alarmierend!

Nur noch 13,1 Millionen Kinder leben in Deutschland. Das sind 2,1 Millionen weniger als noch vor zehn Jahren. Das geht aus der Studie „Wie leben Kinder in Deutschland?“ hervor, die Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. 2010 war nur jeder sechste Einwohner jünger als 18 Jahre, (16,5 %), Im Jahr 2000 waren es noch 18,8 %.

Immer mehr Nesthocker

Von wegen flügge – in Deutschland ist eine echte Nesthocker-Generation entstanden: Laut der Kinder-Studie des Statistischen Bundesamtes lieben vor allem die Jungs das „Hotel Mama“: Fast 40 Prozent der 25-Jährigen wohnen noch immer bei den Eltern, bei den jungen Frauen sind es nur halb so viele.

Freundin, Hochzeit oder eigenes Kind sind oft erst die Gründe, das traute Nest zu verlassen, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Und tatsächlich lebt jeder achte Mann auch noch mit 30 Jahren bei Mutter und Vater, und vier Prozent der „Jungs“ haben selbst mit 40 immer noch nicht den Weg aus ihrem Kinderzimmer geschafft.

Nackte Zahlen. Doch sie beschreiben den Kinderschwund. Warum gibt es immer weniger Babys? Familiensoziologin Dr. Uta Meier-Gräwe sieht drei Gründe:

1.: „Vielen ist es wichtig, auch einen qualifizierten Beruf auszuüben. Daneben noch Kinder zu erziehen passt nicht in so eine Lebensplanung. Denn es fehlen eben in Deutschland Ganztagsschulen und Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren“, sagt die Dozentin der Universität Gießen.

2.: „Es gibt immer mehr Zeitverträge für Arbeitnehmer. Das wirkt wie ein Verhütungsmittel, weil es Familien nicht die Sicherheit gibt, auf Dauer genug zu verdienen, um Kinder großzuziehen.“

3.: „Kinderlose stehen finanziell besser da. Es hat für immer mehr Paare eine hohe Attraktivität, doppeltes Einkommen zu haben, dreimal im Jahr zu verreisen und sich Luxus zu gönnen.“

Deutschland, wo sind deine Kinder? Die Prognose der Statistiker verspricht auch in Zukunft nichts Gutes: 2030 sind noch 15% der Einwohner unter 18, 2060 nur noch 14%.

Wo führt das hin, wer zahlt die Renten der künftigen Generationen? Derzeit bekommt eine Frau im Schnitt 1,4 Kinder. „Nötig für eine stabile Gesellschaft wären aber etwas über zwei Kinder“, so Margret Karsch vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Bedrückend!

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Datum:  3.8.2011
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