Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 27.1.2013

Debatte: So lief die Sexismus-Diskussion bei Jauch

Von MARIE TODESKINO
Hellmuth Karasek am Sonntag bei Jauch.
Hellmuth Karasek am Sonntag bei Jauch.
Foto: dpa

Grapschen, tatschen, zotige Sprüche und ein #Aufschrei: In Deutschland tobt die Sexismus-Debatte. Das Thema brennt tausenden Frauen auf der Seele. Das zeigen mehr als 60.000 Twitter-Mitteilungen, in denen Betroffene ihre Erfahrungen mit grenzüberschreitenden Männern dokumentieren.

Auch Günter Jauch beeilte sich, die Diskussion in seine Talkshow zu holen. Die ursprünglich geplante Sonntags-Ausgabe über die jüngsten Skandale in der katholischen Kirche wurde deshalb verschoben.

Jetzt also Sexismus. In der Runde saßen „Stern“-Chefredakteur Thomas Osterkorn, die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin (FDP), die Journalistin Wibke Bruhns, Anne Wizorek, Initiatorin von #Aufschrei, der Publizist Hellmuth Karasek und die Feministinnen-Ikone Alice Schwarzer.

Das Thema: Wann fängt Sexismus an? Wie alltäglich sind Anzüglichkeiten und Übergriffe gegen Frauen? Und ist das ganze etwa eine Generationenfrage?

Doch diese Fragen wurden nur angerissen. Vielmehr ging es um Rainer Brüderle und seine mutmaßlich anzüglichen Bemerkungen gegenüber der „Stern“-Journalistin Laura Himmelreich. Die 29-Jährige hatte mit einem Porträt über Brüderle die Sexismus-Debatte losgetreten.

Alice Schwarzer bei Jauch.
Alice Schwarzer bei Jauch.
Foto: dpa

Über lange Strecken kreiste die Diskussion um die Fragen, ob a) der „Stern“ das Porträt zu einem angemessenen Zeitpunkt publik gemacht hat, b) Laura Himmelreich sich korrekt verhalten habe und c) Rainer Brüderles angebliches Benehmen dennoch irgendwie in Ordnung gehen könnte. Viel Neues wussten die Gäste dazu nicht beizusteuern.

Besonders unklar blieb dabei Silvana Koch-Mehrin, die den „Stern“-Artikel zwar als „mutig“ lobte, jedoch keinen Kommentar über Brüderles Verhalten abgeben wollte und sich somit der Wagenbau-Mentalität der Rest-FDP anschloss. Doch es sollte ja auch um mehr, als um Brüderle gehen.

„Kacke dampft noch“

Interessant wurde es, als die Diskussion tiefer ging. Alice Schwarzer sah die Gründe für Sexismus gegenüber jungen, gut ausgebildeten Frauen in Verteilerkämpfen um berufliche Positionen: „Da müssen Männer plötzlich Stellen räumen. Diese Herabwürdigung (von Frauen) ist ein Kampfinstrument.“ Junge Frauen hätten lange nicht wahrhaben wollen, dass die „Kacke noch dampft.“ Sexismus sei eben kein Problem von gestern. Ist das alte Feministinnen-Rhetorik, oder könnte da etwas dran sein? Das wurde leider nicht diskutiert.

Moderator Günther Jauch sitzt neben Anne Wizorek, Initiatorin von #Aufschrei.
Moderator Günther Jauch sitzt neben Anne Wizorek, Initiatorin von #Aufschrei.
Foto: dpa

#Aufschrei-Aktivistin Anne Wizorek sieht auch die männliche Ahnungslosigkeit als Problem: „Ich habe den Eindruck, dass viele Männer die Realität von Frauen gar nicht kennen.“ Das hätten auch die vielen Tweets von Männern gezeigt. In einem stimmt sie Alt-Feministin Alice Schwarzer zu: „Die meisten Männer sind sich der Grenzen bewusst. Das ist ein Machtausüben.“

Verständnislos zeigte sich dagegen die Journalistin Wibke Bruhns: „Männer und Frauen sind verschiedene Spezies. Man wird es nicht ändern.“ Auch von der Twitter-Aktion hält sie offenbar nicht viel: „Sie glauben doch nicht, dass sich durch Twitter etwas ändert?“

Plauderrunde

Doch die Diskussion blieb nicht immer nur ernst: Zwischenzeitlich kamen die Gäste ins Plaudern. Jauch fragte Karasek, ob man einer Frau eigentlich auf den Busen gucken dürfe. Die Antwort: „Deshalb wurden Dirndl erfunden“.

Die eigentlich spannende Frage, was man gegen Sexismus im Berufsalltag tun kann, wurde nicht thematisiert. Schade.

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