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Champions League: Fußball-Stream im Netz: Ist das legal?

Dortmund-Jubel aus dem Hinspiel: Heute abend spielt der BVB in Madrid um den Einzug ins Champions-League-Finale. Im Free-TV wird die Begegnung allerdings nicht übertragen.
Dortmund-Jubel aus dem Hinspiel: Heute abend spielt der BVB in Madrid um den Einzug ins Champions-League-Finale. Im Free-TV wird die Begegnung allerdings nicht übertragen.
Foto: AP/dpa

Heute haben Fußballfans ein Problem: Wer kein Sky zu Hause hat, muss den Champions-League-Knaller Real Madrid gegen den BVB in der Kneipe gucken - oder er schaut in die Röhre. Im Free-TV wird die Begegnung nämlich nicht übertragen.

Viele Fußball-Fans nutzen deshalb Streaming-Angebote im Internet, mit denen sie die Partien der Königklasse live und bequem von zu Hause aus sehen können. Allerdings betreten sie damit einen rechtlichen Graubereich. Ist das eigentlich legal? Antworten auf die wichtigsten Fragen vor der heutigen CL-Partie gibt Rechtsanwalt Christian Solmecke.

Live-Stream aus der Schweiz

Findige User setzen aber Dienste wie Cyberghost, OkayFreedom oder Hotspot Shield ein, die über ausländische Proxy-Server oder virtuelle Netzwerke (VPN) auf das Stream-Angebot diesen Mechanismus so leicht austricksen.

Sky über chinesische Plattformen

Daneben lassen sich sogar die Fußball-Übertragungen des Bezahlsenders Sky kostenlos über das Internet empfangen. Angeboten wird dies oft von ausländischen, z.B. russischen oder chinesischen Plattformen, wobei zu unterscheiden ist: Bei einigen Angeboten empfängt der Nutzer lediglich das Sky-Signal und kann den Stream auf seinem Rechner ansehen.

p2p-Broadcasting

Andere Dienste, für die meist eine spezielle Software installiert werden muss, funktionieren dagegen so, dass der User das Signal nicht nur empfängt, sondern zugleich auch weiterleitet. Ein solches p2p-Broadcasting ähnelt damit stark der Technologie, die auch bei Filesharing-Netzwerken eingesetzt wird.

Schweizer Fernsehen ist legal

Ja. Nach meiner Auffassung begehen Fußball-Fans, die mit Hilfe der beschriebenen Proxy- oder VPN-Diensten dieses Angebot ansehen, weder eine Urheberrechtsverletzung, noch eine strafbare Handlung, sondern handeln legal.

Zum einen fertigen sie von der Sendung nämlich keine Kopie im Sinne des Urheberrechtsgesetzes an (näher dazu unten) und verbreiten das Signal auch nicht an andere Personen weiter. Zum anderen ist das Austricksen der Geosperre nicht als Verstoß gegen das gesetzliche Verbot zu werten, so genannte wirksame technische Schutzmaßnahmen zu umgehen.

Fußball-Streaming ist allerdings nicht in allen Fällen legal.
Fußball-Streaming ist allerdings nicht in allen Fällen legal.
Foto: hfr/dapd

Strafbar ist dies nämlich nur, wenn die Umgehung nicht ausschließlich zum privaten Gebrauch stattfindet – genau das trifft aber regelmäßig auf Fußball-Fans zu, die Spiele online zum Vergnügen ansehen. Und auch zivilrechtliche Folgen treten hier nur ein, wenn die eingesetzten technischen Mittel in der Praxis zumindest einen nennenswerten Schutz bewirken.

Angesichts dessen, dass selbst nur wenig mit dem Internet vertraute User durch Proxy- oder VPN-Dienste eingesetzte IP-Geosperren umgehen, kann davon aber überhaupt keine Rede sein.

Abmahnungsrisiko gering

Zwar sind sich Fachleute bei dieser rechtlichen Frage uneinig und klärende Gerichtsurteile fehlen bislang. Das Risiko für Fußball-Fans, etwa von Abmahnungen, ist aber dennoch äußerst gering. In Praxis ist das Streaming nämlich nur schwer zu verfolgen, weil Rechteinhaber zwei Anfragen - beim ausländischen Proxy-Betreiber und beim deutschen Internet-Provider des Nutzers – stellen müssten.

Sind auch Streams von Sky-Sendungen online legal?

Jein, das heißt es ist nach den verschiedenen Übertragungsarten zu unterscheiden. Bei Live-Streams, die nur passiv empfangen werden, vertrete ich schon lange die Rechtsauffassung, dass der Nutzer sie legal ansehen darf. Auf seinem Rechner entsteht nämlich gar keine unerlaubte Kopie im Sinne des Gesetzes.

Zwar werden während des Streamings Teile des Videos in den Arbeitsspeicher (RAM) des Computers geladen. Dies geschieht aber nur flüchtig und zu keinem Zeitpunkt wird die vollständige Video-Datei auf der Festplatte abgelegt. Das Anschauen selbst ist dann überhaupt nicht mehr als urheberrechtliche Nutzung zu werten und deshalb legal. Weil es noch keine Gerichtsentscheidungen dazu gibt, handeln User aber in einer rechtlich unsicheren Grauzone.

p2p-Broadcasting ist illegal

Illegal sind aber die beschriebenen p2p-Broadcasting-Dienste wie zum Beispiel Sopcast. Sobald der Nutzer nämlich eine solche Übertragung streamt, leitet er gleichzeitig auch das Sky-Signal weiter und verbreitet damit an andere User urheberrechtlich geschützte Inhalte. Nach dem Gesetz ist das eine Urheberrechtsverletzung, die beispielsweise Abmahnungen und damit hohe Kosten zur Folge haben kann. Selbst strafrechtliche Sanktionen sind hier möglich.

Fazit

Von Broadcasting-Angeboten wie Sopcast & Co. sollte man in jedem Fall die Finger lassen. Reine Live-Streams von Sky-Übertragungen dagegen sind ebenso wie das Umgehen von Geosperren legal.

Aufgrund der verbleibenden rechtlichen Unsicherheiten kann es für Fußball-Liebhaber unter Umständen aber dennoch eine Überlegung wert sein, das heutige Spiel nicht zu Hause per Stream, sondern in öffentlichen Lokalen oder Kneipen mit Sky-Abo anzuschauen.

Dann lässt sich Champions League gemeinsam mit anderen Fans genießen – und nach 90 Minuten hoffentlich jubeln!

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