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6 Wochen vor Fußballfest: EM-Gastgeber Ukraine am Pranger

In sechs Wochen beginnt die Fußball-EM und die Kritik an der Ukraine nimmt zu.
In sechs Wochen beginnt die Fußball-EM und die Kritik an der Ukraine nimmt zu.
Foto: dapd

Sechs Wochen vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft steht Gastgeber Ukraine am Pranger der Weltöffentlichkeit. Es geht um die Menschenrechte in dem osteuropäischen Land. Sie waren auch der Auslöser, warum Bundespräsident Joachim Gauck jetzt eine Reise in die Ukraine absagte.

Fällt das Fußball-Highlight des Jahres ins Wasser?

Manchmal lösen Staatsoberhäupter bereits ein Beben aus, indem sie etwas nicht tun. Reisen, zum Beispiel. Bundespräsident Joachim Gaucks Verzicht, an einer internationalen Konferenz auf der Krim teilzunehmen, hat in Deutschland ein kleines Beben ausgelöst.

Denn plötzlich wird eifrig diskutiert, ob es zu verantworten ist, in wenigen Wochen ein Fußballfest zu feiern – die Ukraine ist neben Polen Gastgeber –, während in dem osteuropäischen Land die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Zumindest die Anwesenheit deutscher Politiker in den Stadien steht zur Disposition.

Julia Timoschenko weiter im Hungerstreik

Gestern Abend hat die EU-Justizkommissarin Viviane Reding ebenfalls ihren Besuch beim ersten Spiel der Fußball-EM in der Ukraine abgesagt.

Auslöser des Gauck-Boykotts ist auch, aber nicht nur, der Umgang des Janukowitsch-Regimes mit der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Hintergrund: Aus Protest gegen Misshandlungen befindet sich die ehemalige Ministerpräsidentin im Hungerstreik.

„Nach Aussagen von Ärzten ist sie weder vernehmungs- noch verhandlungsfähig“, hieß es von Markus Löning, dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung. Schon aus humanitären Gründen müsse Timoschenko daher sofort freigelassen werden.

„Ich kann mir schwer vorstellen, dass man als Regierungsmitglied im Stadion der Nationalmannschaft zujubelt, während Timoschenko im Gefängnis darbt und ihr eine angemessene medizinische Versorgung verweigert wird“, so Volker Beck, parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion.

Nach der internationalen Kritik hat Präsident Janukowitsch nun Ermittlungen zu dem Fall angeordnet. Beobachter vor Ort äußerten jedoch Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Ankündigung.

Einen Boykott der Fußball-EM lehnen aber alle Politiker ab. Besucher könnten dem Ereignis dennoch fernbleiben, denn für Unmut sorgt auch, dass sich offenbar die Mafia am Fußball-Highlight eine goldene Nase verdienen will. Medien berichten, kriminelle Banden hätten Hotels in Austragungsorten unter ihre Kontrolle gebracht. Folge: Die Bettenpreise hätten sich teils verdreifacht.

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