In seiner aktiven Zeit als Landtagsabgeordneter in NRW kannte ihn kaum jemand – den CDU-Politiker Leonhard Kuckart. Doch jetzt, auf seine alten Tage, könnte sich das ändern: Denn der 79-Jährige sorgt mit einem ungeheuerlichen Vorstoß für Empörung. Es geht um „Lärm“ – von Kindern!
Einen Dauerpegel von 90 Dezibel, wie er häufig in Kitas anzutreffen ist, bleibe „eine unzumutbare Lärmbelästigung“, so Kuckart, der auch Bundes-Vize der CDU-Seniorenorganisation ist. Dabei ist es „egal, ob die Quelle nun sympathisches Kindergeschrei ist oder das Hämmern eines Presslufthammers“.
Kuckart geht sogar so weit, die geplante generelle Zulassung von Kindertageseinrichtungen in Wohngebieten für verfassungswidrig zu erklären. Kitas also nur noch in die tristen Gewerbegebiete der Vorstädte? Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Immissionsschutz trage nicht zum Zusammenhalt der Generationen bei, empört sich Kuckart: „Wir wünschen uns eine Lösung, die versöhnt – und nicht spaltet.“
Doch zunächst ist es der Vorstoß des CDU-Oldies, der spaltet. „Kinderlärm gehört zur Gesellschaft dazu und es muss möglich sein, dass Eltern ihren Nachwuchs in der Nähe ihrer Wohnung in einer Kita unterbringen können. Denn wir möchten keinen Kleinkindertourismus“, kontert Kuckarts Parteifreund Michael Paul. Der CDU-Bundestagsabgeordnete zur MOPO: „Wir brauchen keinen Kampf der Generationen.“ Der Kinderschutzbund reagiert empört: „Vor 50 Jahren wäre so etwas nicht vorgekommen. Jetzt werden die Kinder bei uns ausgegrenzt“, wettert dessen Präsident Heinz Hilgers. Es sei allein schon ein Skandal, dass Kindergeräusche mit Industrielärm gleichgesetzt würden.
Als Konsequenz aus dem Streit geht Sven Volmering, Chef der Jungen Union in NRW, auf Konfrontationskurs zu seinem Parteifreund Kuckart: „Wir fordern angesichts der demografischen Entwicklung mehr und nicht weniger Kinderlärm.“