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„Hart aber fair“: Schwuler Weihnachtsmarkt: „Mehr Ballermann als Weihnachten“

Sollen schwule und lesbische Paare mit Heterosexuellen gleichgestellt werden? Darüber diskutierte Moderator Plasberg am Montag mit seien Gästen.
Sollen schwule und lesbische Paare mit Heterosexuellen gleichgestellt werden? Darüber diskutierte Moderator Plasberg am Montag mit seien Gästen.
Foto: Screenshot ARD

Sollen schwule und lesbische Paare mit Heterosexuellen gleichgestellt werden? Der Vorstoß von 13 liberalen CDU-Politikern, die eine steuerliche Gleichstellung fordern, sorgt in der Union für Wirbel – und auch im Talkstudio von Frank Plasberg. Da wurde plötzlich nicht nur heiß über das Thema diskutiert – sondern auch um Zettel gestritten und über das Liebesleben eines katholischen Fernsehsenderchefs!

Schwuler Weihnachtsmarkt ist „Ausdruck von Absurdität“

Aber der Reihe nach: Unter dem Motto „Papa, Papa, Kind – Homoehe ohne Grenzen?“ hatte sich der ARD-Talk „Hart aber fair“ am Montagabend dem Thema Gleichstellung angenommen. Und – offenbar weil es gerade so schön zur Jahreszeit passt - , schlug die Plasberg-Redaktion zum Einstieg eine Brücke zum schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt „Christmas Avenue“, der in diesem Jahr zum ersten Mal in Köln stattfindet.

In einem Einspieler zeigt die Plasberg-Redaktion also zum Auftakt pink-glitzernde Weihnachtsmarkt-Buden und Bilder von einer freizügigen Sportmodenschau im Rahmenprogramm. Martin Lohmann, Theologe und Chef eines katholischen Fernsehsenders, wettert entsetzt: „Das ist ein Ausdruck von Absurdität, der ist überflüssig.“ Mit der Weihnachtsbotschaft habe das gar nichts zu tun, schimpft Lohmann.

Moderator Frank Plasberg im Zettelstreit mit Talk-Gast Lohmann zum Thema Homo-Ehe.
Moderator Frank Plasberg im Zettelstreit mit Talk-Gast Lohmann zum Thema Homo-Ehe.
Foto: Screenshot ARD

Kurioser Zettel-Streit mit Studiogast

Der Talkgast spricht über das angebliche Dilemma von Schwulen und Lesben, von sexuellen Identifikationsproblemen, von einem „Hype“ um Homosexuelle – da unterbricht ihn plötzlich der Moderator. „Darf ich da gerade mal gucken, haben sie da ein Minireferat vorbereitet?“, fragt Plasberg seinen Gast mit Blick auf dessen mitgebrachte Notizen – und schreitet auf Lohmann zu. 

„Nein, nein, nein, ich hab nur Zahlen“, sagt Martin Lohmann. Kurz darauf reißen der Moderator und sein Gast an den Zetteln. Lohmann hält seine Zahlen-Zettel fest, Plasberg will sie ihm wegnehmen – und geht kurz darauf siegreich aus dem Duell: „Ich hab hier ein Papiermonopol“, sagt der Moderator nach dem kuriosen Zettel-Streit.

„Christmas Avenue“, Kölns erster schwul-lesbischer Weihnachtsmarkt.
„Christmas Avenue“, Kölns erster schwul-lesbischer Weihnachtsmarkt.
Foto: Zik

Schwuler Weihnachtsmarkt: „Mehr Ballermann als Weihnachten“

Dann wird weiter über das Thema der Sendung diskutiert – den schwulen Weihnachtsmarkt von Köln nämlich. „Gab es in Köln irgendwo Verbotsschilder: Schwule auf Weihnachtsmärkten nicht willkommen? Warum dieser schwul-lesbische Weihnachtsmarkt?“, will Plasberg vom schwulen Entertainer Ralph Morgenstern wissen. Morgenstern: „Wir sind nicht die ersten in Köln, es gibt lesbisch-schwule Weihnachtsmärkte in Berlin, Hamburg, München – da machen wir jetzt keine Sendung drüber.“

Der schwule CDU-Politiker Stefan Kaufmann - einer der 13 Unionspolitiker, die für die Gleichstellung kämpfen – springt dem Entertainer bei: „Wir haben in Köln eine große schwul-lesbische Community und da gibt es natürlich auch solche Formen. Ich finde das jetzt nichts Verwerfliches.“

Dann sagt auch die konservative Journalistin Birgit Kelle, ebenfalls CDU-Mitglied, noch einmal, was sie von der Kölner Weihnachtsmarkt-Veranstaltung hält: „Die Bilder, die ich gerade gesehen habe, erinnern mich viel mehr an Ballermann als an Weihnachten. Wenn man sieht, wie da Betrunkene singen oder diese Sportmodenschau – das hat ja mit der Weihnachtsbotschaft nichts zu tun.“

CDU-Mann: Partei hält Diskussion aus

Beim eigentlichen Thema Homoehe kommt die Plasberg-Runde erst später wieder an. Statt Weihnachtsmarkt-Talk darf Kaufmann jetzt auch über seinen Antrag an den CDU-Parteitag sprechen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften steuerlich gleichzusetzen. „Diese Diskussion muss und wird die CDU aushalten“, erklärt er.

 Homosexuelle und die CDU – passt das? „Ich versuche, schwul sein als Normalität in der Partei vorzuleben“, sagt Kaufmann. Sein Nebenmann Lohmann – das dritte CDU-Mitglied in der Runde – hält später dagegen: „Auch die Homosexuellen müssen den Widerspruch aushalten. Sie müssen aushalten, dass man ihnen sagt: Ich und viele andere sind der Überzeugung, dass Sie im Irrtum leben.“

Lohmann ist schnell wieder auf einer ganz anderen Ebene angekommen. Er sei davon überzeugt, dass Homosexualität nicht ganz der Schöpfungsordnung entspreche, sagt der katholische Fernsehchef: „Die Natur hat es glaube ich so eingerichtet, dass die Sexualität etwas mit Lebensweitergabe zu tun hat." Sexualität sei etwas Kostbares und es sei wichtig, "diese Sexualität verantwortlich und geordnet einzusetzen.“

Plasberg fragt: Hatten Sie nur einmal Sex?

Plasberg provoziert: „Sie haben ein Kind, also heißt das, Sie haben einmal mit ihrer Frau geschlafen?“ Der Gast empört: „Herr Plasberg, das ist ne primitive Aussage und die weise ich einfach zurück.“

Später spricht Lohmann über die Möglichkeiten, sexuelle Begegnungen zu haben, ohne ein Kind zu zeugen, Plasberg entschuldigt sich für die provokante Frage. Dann darf Ex-No Angels-Sängerin Lucy über den Wunsch sprechen, mit ihrer lesbischen Partnerin ein Kind zu bekommen. Die Gegenrede von den Konservativen Kelle und Lohmann lässt selbstverständlich nicht lange auf sich warten.

Und der CDU-Abgeordnete Stefan Kaufmann? Während sich die Sendung dem Ende zuneigt, wird der immer ruhiger. Möglicherweise dämmert es ihm nach dieser Runde noch einmal mehr, dass er es in seiner Partei mit dem Wunsch nach Gleichstellung möglicherweise schwer haben wird.

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