Die Hamburger Polizei geht auf Distanz zu Markus Schreiber (SPD) und seinem umstrittenen „Anti-Obdachlosen-Zaun“: Von angeblich massenhaften Anwohner-Beschwerden, die der Bezirksamtsleiter immer wieder als Grund für den Zaun-Bau anführte, ist den Ordnungshüten nichts bekannt.
„Es gibt dort keine erhebliche Beschwerdelage“, so Polizeisprecher Mirko Streiber zur MOPO. Markus Schreiber hatte von dem Gebiet rund um die Kersten-Miles-Brücke von einem „Angstraum“ für Anwohner gesprochen. Regelrecht sauer ist die Polizei auf Äußerungen Schreibers in der „Welt“. Der SPD-Politiker hatte behauptet, dass die Polizei ihn gebeten habe, die Zustände zu ändern, weil sie nicht mehr „Herr der Lage“ sei. Polizeisprecher Streiber: „Das ist falsch.“ Fakt ist: Es hat 2010 schwere Straftaten unter der Brücke gegeben – allerdings unter den Obdachlosen selbst. Anwohner waren davon nicht betroffen.
Grundsätzlich kann jetzt im Streit um den Zaun gegen Obdachlose offenbar nur noch kirchlicher Beistand helfen. Hans-Peter Strenge, Chef der nordelbischen Kirchensynode, soll zwischen „Sheriff Schreiber“ und den Gegnern des Zauns vermitteln.
„Mich hat überrascht, wie stark dieser Sturm um einen Zaun geworden ist“, sagt der 63-Jährige. Acht bis zehn Vertreter beider Parteien wolle er an einen Tisch holen, unter anderem von der Obdachlosen-Zeitung „Hinz & Kunzt“. Strenge sagt: „Man darf den Zaun nicht verteufeln. Wir werden aber schauen, welche Alternativen es gibt.“
Mit den Tücken der Verwaltung kennt sich der Schlichter aus. In den 80er und 90ern war er zwölf Jahre lang SPD-Bezirksamtsleiter in Altona. „Die Probleme um Punker um den Spritzenplatz wurden auch gelöst“, sagt Strenge.
Die Idee zu dem Schlichter stammt von der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Am Dienstag gingen mehrere Genossen mit Schreiber hart ins Gericht. „Wir wollen nicht den Eindruck entstehen lassen, dass es SPD-Politik ist, kritischen Tönen nicht richtig zuzuhören“, sagt ein Spitzengenosse.
Auch in der Bürgerschaft ist der Zaun am Mittwoch Thema. Linke und GAL wollen sich in einer Aktuellen Stunde für einen raschen Abriss des Zauns einsetzen. Im Senat ist man mit Schreibers Aktionen nicht glücklich – will ihm aber nicht in den Rücken fallen.
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