Lärm wie beim Konzert, knüppelvolle Rasenflächen, Chlorgeruch bis in die Umkleidekabinen – am Tonteich in Wohltorf sind diese ganzen Freibad-Nebenwirkungen weit weg. Hier, im Sachsenwald, schwimmen Besucher mitten in der Natur. Vom Waldparkplatz geht man nur wenige Meter, zahlt 2,50 Euro Eintritt (als Erwachsener), schon öffnet sich der Blick auf den See. Schilf, Bäume und Rasen rahmen das rund 24000 Quadratmeter große Gewässer ein, 13000 davon gehören zum Sachsenwaldbad Tonteich.
Stege ragen ins Nass, zwei Rutschen und ein kleiner Sprungturm steigern den Spaßfaktor. Pompös erhebt sich zur Linken das Vereinsheim des noblen Tontaubenklubs Sachsenwald. Spartanischer dagegen die sauberen, jedoch in die Jahre gekommenen Umkleidekabinen des Bades. Aber dort soll nicht geprotzt werden – gar nicht nötig. Historie und Wasserqualität sprechen für sich.
Vor rund 100 Jahren standen an dieser Stelle die Friedrichsruher Tonwerke. Die alte Ziegelei brannte aus. Über Jahre füllte sich die Grube mit Wasser. 1958 begann der geordnete Betrieb – die damalige Grundeigentümerin, Fürstin Ann-Mari von Bismarck, weihte das Bad ein.
„Die einzigartige Lage am Rande des Sachsenwaldes und der Blick sind schon Erholung pur“, schwärmt Bernd Wyrwinski (69), Vorsitzender des Vereins Sachsenwald-Bad-Tonteich. Auf dem Rasen liegen Simon (23) und Esther (18). Stammgäste. „Hier treffe ich oft Bekannte“, sagt Esther. Simon schätzt die „Natur, die Ruhe – und das Wasser.“
Sprung ins 20 Grad warme Nass: Vom Steg aus kann man in den Tonteich hüpfen.
Foto: Florian QuandtMärchenhaft die Erzählungen, die sich um das rund 20 Grad kühle Nass ranken. „Wenn man sich eine Wunde zugezogen hat, muss man einfach ins Wasser gehen – abends ist die weg“, erzählten die Erwachsenen einst Bernhard Sthamer (22). Fest steht: Durch Eisensulfat und Schwefelsäure vom abgelagerten Glimmerton entstand „weiches“ Wasser. Von der Wirkung vergleichbar mit essigsaurer Tonerde.
Stolz ist der Verein auf die bescheinigte 3-Sterne-Qualität. Damit der pH-Wert des bis zu viereinhalb Meter tiefen Schwimmbadwassers nicht extrem steigt, ist 2013 eine Entschlammung geplant.
Sthamer, Fachangestellter für Bäderbetriebe, sitzt am Rande des Sachsenwaldbades. Er sorgt dafür, dass den Gästen nichts passiert. In der Mittagszeit gesellen sich Familien zu den eher älteren Besuchern. Der Nachwuchs tummelt sich im Nichtschwimmerbereich (1,20 Meter) und dem Abschnitt für Kleinkinder (30 Zentimeter). Glücklich. Von der Tribüne aus genießt man den Blick auf See, Wald und die Sonne. Zu Gast im Paradies.
Rund 25 Kilometer sind es von der Hamburger City bis zum Tonteich in Wohltorf. 30 Minuten dauert die Fahrt. Mit der S21 fährt man bis zur Haltestelle Wohltorf, von dort zehn Minuten Fußweg.
A24 Richtung Lübeck/Berlin. Reinbek abfahren in Richtung Reinbek/Glinde. Rechts auf Reinbeker Weg. In Reinbek auf die Wohltorfer Straße, dann auf Billgrund, Eichenallee und Am Tonteich.
Essen und Trinken: Auf dem Schwimmbad-Gelände kann man unter anderem Currywurst/Pommes (4,70 Euro), Ofenkartoffel mit Sour Cream (3 Euro) oder Eis kaufen. Feudaler ist das Ambiente im Tontaubenklub. Dort bekommt man Pasta ab 6,90 Euro und Salate ab 6,50 Euro.
Museum: In Friedrichsruh im alten Landhaus liegt das Bismarck-Museum. Eintritt: Erwachsene 4 Euro, Klassen, Kinder und Jugendliche frei.
Garten der Schmetterlinge: Seit mehr als 25 Jahren fliegen in Friedrichsruh (Am Schlossteich 8) die Schmetterlinge der Fürstin Elisabeth von Bismarck.
Reinbeker Schloss: Nicht nur für Hochzeiten ist das Bauwerk eine Reise wert (Schlossstraße 5).

Die MOPO präsentiert tolle, familienfreundliche Ziele für Tagesausflüge, maximal 100 Kilometer von Hamburg entfernt.
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