Heile Welt am Rande einer stillgelegten Bahnstrecke im Kreis Dithmarschen. Grasende Pferde, hoppelnde Hasen, saftiges Grün. Alles läuft im ersten Gang. Auch die Draisine, auf der Touristen strampeln. Wer hier, zwischen St. Michaelisdonn und Marne zu schnell tritt, landet im Leerlauf. Nur keine Hektik.
Das Segel der Fahrrad-Draisine hängt lasch im Wind. Vorne eine Bank, zwei Flaschenhalter fürs Bierchen, hinten Sitze für die tretenden Touristen. Das Gefährt rollt über die Gleise der im 19. Jahrhundert gebauten Marschbahn. Vorbei an nach Blumen und Gräsern duftender Einöde, Windrädern und idyllischen Gehöften.
Schnell entwickelt sich der Ehrgeiz, kräftig in die Pedale zu treten, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Doch Vorsicht: Am Streckenrand warnen Schilder vor der nächsten Kreuzung. Dort steigt man ab, öffnet und schließt die leicht angerostete Schranke per Hand. Sicher ist sicher auf der fast zehn Kilometer langen Strecke.
Bis 1961 sorgte die Bahn hier für den Personenverkehr, jetzt sind die Personen selbst am Zug. Ein paradiesischer Ausflug für Familien und Kleingruppen. 19 Euro zahlen die pro Draisine für die 70-minütige Tour durchs Marschgebiet, Hin- und Rückweg kosten 27 Euro. Zwischen den Orten fährt ein Bus.
Wer trotz strapazierter Waden und einer Überdosis Frischluft noch weiter will, sollte seine Reise zur Seehundstation Friedrichskoog fortsetzen. Paradies-Hopping – nicht auf der Draisine, aber im Bus oder Auto.
In Friedrichskoog werden kranke Tiere aufgepäppelt und derzeit 150 Heuler aufgezogen. Fünf Seehunde und zwei Kegelrobben sind dort das ganze Jahr über zu Hause. „Wir wollen Verständnis dafür schaffen, tolle Wildtiere in einem weltweit einzigartige Lebensraum direkt vor der Haustür zu haben“, sagt Leiterin Tanja Rosenberger.
Höhepunkt: die Fütterungen. Schon Minuten vorher bringen sich Seehunde und Kegelrobben in Lauerstellung, warten auf Hering, Brassen oder Krustentiere. Auf der Zuschauertribüne knabbern Kinder gespannt an ihren Broten. Etwa 20 Minuten dauert die Show samt Untersuchung der Tiere.
Knapp 150000 Besucher tauchten 2011 in die Welt der Meeresbewohner ein. Kinder können sich durch das Gelände quizzen oder mit ihren Eltern die Ausstellungen besuchen. Heile Welt muss gar nicht langweilig sein.
Rund 90 Kilometer sind es nach Marne bzw. St. Michaelisdonn. Mit dem Auto fährt man etwas länger als eine Stunde. Knapp zwei Stunden ist man mit Bahn und Bus bis Marne ZOB unterwegs.
St. Michaelisdonn: A 23 Richtung Itzehoe – abfahren auf die B 5 Richtung Brunsbüttel/Heide. Abfahrt Richtung Eddelak/St. Michaelisdonn nehmen. Im Ort ist der Bahnhof (Poststraße) ausgeschildert.
Reise buchen: Der Freizeitanbieter „Regiomaris“ hat ein Komplettpaket für Familien inklusive Bahnfahrt im Schleswig-Holstein-Tarif im Angebot. Das enthält: Draisinenfahrt nach Marne, Linienbustransfer, Eintritt Seehundstation, Mittagessen inkl. Getränk. Preis: 99 Euro für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder. Infos: www.regiomaris.de
Dienstags und sonnabends bietet die Dithmarscher Brauerei (Oesterstraße) in Marne Führungen an.
In Friedrichskoog kann man im Restaurant „Harlekin“ (Hafenstr. 123) gutbürgerlich essen.
Kinder können sich im Willi Indoor-Spiele-Wal (Am Hafen 10) austoben. Erwachsene zahlen dort 5,90 Euro pro Tag, Kinder 7,90 Euro.

Die MOPO präsentiert tolle, familienfreundliche Ziele für Tagesausflüge, maximal 100 Kilometer von Hamburg entfernt.
Von Bimmelbahn bis Karibik-Strand - so wird das Hamburger Umland zum Ferien-Paradies.