Man nehme einen Schuss Bornholm, eine Prise Rügen und etwas Boberger Dünen: Schwuppdiwupp haben Sie einen Eindruck von den Besenhorster Sandbergen. Das Naturschutzgebiet liegt direkt an der Grenze zwischen Altengamme und Geesthacht.
Erst passiert man die Kläranlage, dann ein Logistiklager und schließlich ein Betonwerk. Nein, die Anfahrt zu den Besenhorster Sandbergen ist alles andere als schön. Aber dann. Wir stellen das Auto ab, gehen ein paar Minuten und genießen vollkommene Stille. Krüppel-Kiefern wachsen am Rande von Sanddünen. Ein Mäusebussard zieht seine Kreise am Himmel. Eine Prachtlibelle landet auf der seltenen Felsen-Fetthenne, reckt ihre Flügel Richtung Sonne.
Der Wanderweg verläuft parallel zu einem breiten Reitpfad. Doch während der Woche sind die Besenhorster Sandberge fast menschenleer. Plötzlich ein heftiges Zirpen. Die Gestreifte Zartschrecke macht sich bemerkbar. Die seltene Heuschreckenart hat hier ihr nördlichstes Vorkommen.
Ergriffen von dieser Idylle stehen wir plötzlich vor massiven Betonpfeilern, dann vor einem abgeknickten Lampenmast. Reste einer ehemaligen Fabrik? Wir laufen weiter und entdecken einen teils eingestürzten Bunker. Unheimlich. Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs in diesem Naturparadies?
Wenige Meter hinter der Hamburger Landesgrenze liegen die eiszeitlichen Dünen der Besenhorster Sandberge.
Foto: Florian QuandtJa, es handelt sich um Überreste der Pulver- und Sprengstoffwerke Düneberg/Birke. Die Nazis hatten diese Sprengstofffabrik ab 1934 massiv ausbauen lassen. 1935 wurde sie von der in Krümmel beheimateten Dynamit Nobel AG übernommen. Sogar Treibladungen für Hitlers „Vergeltungsraketen“ vom Typ V1 und V2 sind hier hergestellt worden. Noch kurz vor Kriegsende flogen die Briten einen schweren Luftangriff auf die Fabrik, warfen 1800 Bomben. Die Bombentrichter sind heute noch zu sehen.
Die Fabrik wurde nach Kriegsende mit allen Gebäuden und Bunkern von den Briten gesprengt. Und die Natur hat sich das Terrain zurückerobert. Die Betonreste sind mit Moos überzogen und in den feuchten Räumen haben sich Fledermäuse eingerichtet.
Die Besenhorster Sandberge liegen an der Grenze zwischen Hamburg-Altengamme und dem Herzogtum Lauenburg, direkt neben Geesthacht an der Bundesstraße 404.
Aus Richtung Hamburg die Autobahn 25 bis Geesthacht fahren. Dann rechts auf die B404 und vor der Elbbrücke rechts Richtung Altengamme fahren. Dann von Hamburg aus Zugang ins Gebiet über Borghorster Hauptdeich und der Straße Am Kringel.
Zollenspieker Fährhaus: Das Traditionshaus (Zollenspieker Hauptdeich 143) an der Fähre liegt etwa zehn Kilometer entfernt. Mittags gibt’s hier aktuell Matjes (Hausfrauenart, 12 Euro) oder Pannfisch (15 Euro). Der Biergarten unter alten Bäumen direkt an der Elbe ist ein Traum.
Staustufe Geesthacht und Fischtreppe: Die 1960 in Betrieb genommene Staustufe liegt in unmittelbarer Nähe der Sandberge und ist von dort über die Elbbrücke der Bundesstraße 404 gut zu Fuß erreichbar. Außer einem Wehr bei Magdeburg ist sie die einzige Staustufe der Elbe in Deutschland. Die große Fischtreppe daneben und die Doppelschleuse sind ebenfalls sehenswert.

Die MOPO präsentiert tolle, familienfreundliche Ziele für Tagesausflüge, maximal 100 Kilometer von Hamburg entfernt.
Von Bimmelbahn bis Karibik-Strand - so wird das Hamburger Umland zum Ferien-Paradies.