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Papa-Tagebücher: Vorm Schlafen werd' ich zum Känguru

„Pff“, hab ich früher immer gedacht. „Wie kann man nur?!“ „Die lassen den im Bett schlafen? Also, nee. Das wäre nix für uns.“ Oder: „Der Kleine ist aber auch ein Giftzwerg! Na ja, kein Wunder, wenn immer alle springen, sobald der muckt.“ Auch gut: „Man muss den Kindern Grenzen aufzeigen. Nein ist Nein, und dann ist gut.“
Es ist toll, sich so über junge Eltern und ihre Marotten und Erziehungsversagen zu empören. So ganz gelassen und cool. Ich stelle jetzt fest: Das geht nur richtig gut, solange man selbst keine Kinder hat. Denn kaum sind die Racker da, ist es Zeit für Demut.
Neulich klingelte es, ich war allein mit dem Junior und öffnete die Tür. Mein Nachbar, HSV-Fan, Angler, Vater einer Teenie-Tochter, stand da mit einem Paket, das er für uns angenommen hatte, und guckte recht entgeistert: „Stillst du gerade?“, stieß er schließlich hervor.
Er kam wohl darauf, weil ich ein langes Baumwoll-Tuch um meinen Leib geschlagen hatte. Und darin, vor meiner Brust, hing der Junior und schlief.
In diesem Tuch fühle ich mich immer wie eine Känguru-Mutter im Öko-Gestrickten. Die verschlungene Konstruktion führt oft dazu, dass mir das T-Shirt hochrutscht und ich die eh schon schwierige Erscheinung so mit Britney-haftem Bauchfrei-Look ergänze.
Aber: Ich habe keine Wahl. Jonas, inzwischen acht Monate, schläft nur in diesem Tuch ein. Zumindest, wenn man zusätzlich leicht hopst. Dann aber sehr verlässlich und innerhalb von Minuten.
„Pff“, hätte ich früher gesagt. „Ein paar Tage konsequent ins Bettchen legen und Geduld zeigen. Vielleicht dauert’s ein paar Stunden, aber dann schläft der schon. Da muss man halt durch. “
Und heute? Heute sage ich: Das stimmt bestimmt. Aber vielleicht warten wir damit noch bis morgen. Und dann schalte ich in den Känguru-Modus.
Irgendwann werden wir uns dem aber wohl stellen müssen: Wenn ein 14-Jähriger vor dem Bauch getragen wird, wird das zumeist eher irritiert zur Kenntnis genommen. Und es geht auf Dauer bestimmt sehr ins Kreuz ...

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