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„Kielings wildes Deutschland“: ZDF-Tierfilmer verkaufte zahme Hunde als Wölfe

Tierfilmer Andreas Kieling mit einem Hund auf der Fotopirsch. Für eine Tierdoku filmte er Wolfshunde statt Wölfe.
Tierfilmer Andreas Kieling mit einem Hund auf der Fotopirsch. Für eine Tierdoku filmte er Wolfshunde statt Wölfe.
Foto: dapd

Kieling und die Hunde im Wolfspelz. Für die Terra-X-Sendung „Kielings wildes Deutschland“ im ZDF hat der Tierfilmer böse getrickst und Hunde als Wölfe verkauft. Es wurde so getan, als handele es sich bei den solwakischen Wolfshunden, die gezeigt wurden, um echte, freilebende Wölfe.

Jetzt erklärt Andreas Kieling bei uns, warum er Wolfshunde statt wilder Tiere durch die Lausitz laufen ließ.

Ein Plädoyer für den Wolf, für Deutschlands wilde Natur zur besten Sendezeit, wollte er drehen. „Klar, dass wir da keine wissenschaftliche Dokumentation machen können“, so Kieling.

Den scheuen Wolf, ein dämmerungs- und nachtaktives Tier, in Deutschland vor die Linse zu kriegen sei fast unmöglich. Die wackeligen Bilder aus Infrarotkameras – unbrauchbar für eine Hochglanz-Doku.

Also griff er tief in die Trickkiste: Die erwachsenen Tiere, die im ZDF als freilebende Wölfe auftreten, sind in echt ziemlich gut erzogene Slowakische Wolfshunde, die auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow (Brandenburg) und vor der Kulisse des Kraftwerks Boxberg in der Lausitz Wolf spielten.

„Wenn ich für den Wolf werben will, und das will ich, muss ich Bilder nehmen, die schicker sind als krisselige, grüne Nachtaufnahmen, die authentisch wären“, verteidigt sich Kieling.

Beim ZDF beruft man sich auf die Tradition, mit dressierten Tieren zu filmen. Es sei üblich, unter kontrollierten Bedingungen zu arbeiten – immer unter der Maßgabe, dass die inhaltlichen Aussagen faktisch korrekt seien, reden sich die zuständigen Redakteurinnen heraus.

„So wurden auch hier keine wilden unter Artenschutz stehenden Wölfe gefilmt. Die Aussage, dass wieder wilde Wölfe in Deutschland leben, wird durch die gezeigten Bilder nicht falsch.“

Komisch: Zwar zeigen auch andere Sender, wie etwa die BBC mit ihren preisgekrönten Tierdokus Bilder von dressierten Tieren. Doch seriöse Produzenten weisen im Abspann darauf hin.

Beim öffentlich-rechtlichen ZDF hält man das nicht für nötig. „Abspann-Nennung ist für diesen Fall nicht wirkungsvoll, da Abspänne in der heutigen TV-Landschaft kaum noch die Aufmerksamkeit der Zuschauer finden.“ Auch Kieling kann keinen Betrug am Zuschauer entdecken.

„Der einzige Vorwurf, den man mir machen kann, ist, dass ich ein zu positives Bild zeichne, eine Vertrautheit von Wölfen am helllichten Tag, die so nicht authentisch ist.“ Er beteuert: „Wenn ich authentisch filmen kann, tue ich das. Zu 99 Prozent brauche ich keine Tricks.“

Diese Tricks aber hält der Deutsche Journalistenverband für nicht lauter. „Bei diesem Format handelt es sich um eine Dokumentation. Der Zuschauer geht automatisch davon aus, dass es sich um Wölfe handelt.“, sagt Pressesprecher Hendrik Zörner. „Man hätte kenntlich machen müssen, dass die Bilder exemplarisch sind.“

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